Für den Chef des Arbeitsmarktservice (AMS) Johannes Kopf ist der Fehler schon passiert. Auf der anderen Seite steht allerdings ein großes Aber. Ein offenes Asylverfahren und Zugang zum Arbeitsmarkt sei an sich ein Widerspruch, sagt Kopf. Denn es sei nicht ausgeschlossen, dass ein junger Lehrling aus Afghanistan einige Monate später negativ beschieden und abgeschoben wird. "Meines Erachtens sollte immer erst geklärt werden, ob jemand dableiben darf oder nicht, aber wenn Asylverfahren so lange dauern, wie sie bei uns gedauert haben, und teilweise noch immer dauern, dann ist es mir lieber, diese jungen Menschen haben einen Arbeitsmarktzugang als keinen", sagt Kopf. "Das lange Herumsitzen ist gerade für Jugendliche ganz schlecht." Das sei beim heimischen Nachwuchs nicht anders. "Mit 16 keine Aufgabe, Ausbildung und Funktion zu haben, ist eine Katastrophe."

Deshalb wurde eine überschaubare Zahl von derzeit 850 Asylwerbern zu einer Lehre zugelassen. Nach der geltenden Rechtslage ist das nicht mehr möglich.

Das seien aus Sicht des AMS-Chefs die "besonders Tüchtigen", die so schnell Deutsch gelernt hätten, dass schon als Asylwerber die Suche nach einer Lehrstelle erfolgreich war. Ihre Ausbildung machen sie nur in Mangelberufen, "wo sie keine Konkurrenz für einen Österreicher darstellen", sagt Kopf. Von den 850 Asylwerbern in Lehre arbeitet ziemlich genau die Hälfte in der Gastronomie. Viele auch in technischen Berufen. Noch dazu bräuchten sie die Betriebe, weil österreichweit genau dort Fachkräfte fehlten, sagt Kopf. Abgeschoben werden die Lehrlinge trotzdem - mitten in der Ausbildung. "Dafür gibt es kein Verständnis in der Bevölkerung", sagt Kopf.

Der AMS-Chef spricht sich dafür aus, dass diese Asylwerber - man schätzt, dass bis zu 300 von ihnen von Abschiebung bedroht sein könnten - ihre Ausbildung fertigmachen können sollen. "Wenn sie fertig ausgebildet sind, sollte man ihnen einen Wechsel auf die Rot-Weiß-Rot-Karte als Fachkraft ermöglichen", sagt er. "Aber das muss die Politik entscheiden." Derzeit ist die Beantragung des Arbeitsausweises für Jobmigranten aus Drittstaaten nur aus dem Ausland möglich.

Aufenthaltsdauer als Ermessensfrage

Laut Klaus Hofstätter von der Asylkoordination Österreich können die Pläne des AMS-Chefs schon jetzt im Rahmen des Asylverfahrens umgesetzt werden. Allerdings mit Hürden. Konkret geht das über das Humanitäre Bleiberecht (Artikel 8 der Menschenrechtskonvention Aufrechterhaltung des Privat- und Familienlebens) und dem damit verbundenen einjährigen Status der "Aufenthaltsberechtigung plus".