Sieben Tage vor der Wahl schleppen sich die Wahlkämpfer der Ziellinie entgegen. In den zahllosen TV-Duellen und Interviews seit Beginn des Wahlkampfs ist nicht mehr viel übrig geblieben, was nicht schon von den Kandidaten x-mal gesagt, betont, unterstrichen, bestritten und das eine oder andere Mal auch energisch dementiert wurde. Wiederholung ist Trumpf in dieser Kampagne.

Am Sonntag hatten die Bürger nun die Gelegenheit, Sebastian Kurz und Pamela Rendi-Wagner, die beiden Spitzenkandidaten von ÖVP und SPÖ, via ORF-"Pressestunde" noch einmal einem direkten Vergleich nach Politik, Stil und Persönlichkeit zu unterziehen.

Den Auftakt machte Rendi-Wagner. Inhaltlich blieb die SPÖ-Kandidatin ihren zentralen Wahlkampfthemen treu: 1700 Euro Mindestlohn, Steuerentlastung für Geringverdiener, Investitionen in Pflege und Gesundheit - und die eine oder andere Breitseite gegen die ÖVP im Allgemeinen und Sebastian Kurz im Besonderen. Allerdings fehlte der roten Kritik dieses Mal die Agressivität der jüngsten Attacken.

Warum Rendi-Wagner trotzdem erneut die Sache mit einem von ihr behaupteten, von Kurz und seinem Sprecher heftig dementierten Anruf wegen der Fieber-Erkrankung Norbert Hofers aufs Tapet brachte, bleibt dennoch rätselhaft. Übrigens genauso, wie die Debatte über die "wahre" Herkunft des ÖVP-Spitzenkandidaten - Meidling oder Waldviertel? -, die Rendi-Wagner als weiteren Beleg der angeblichen Unredlichkeit Kurz' anführte und auch gleich den Auftakt der unmittelbar darauffolgenden "Pressestunde" mit dem ÖVP-Kandidaten bestimmte.Es dürfte ihn strategisch nicht groß gestört haben, immerhin gab es Kurz ausführlich Gelegenheit, solche Fragen ins Reich der Jenseitigkeiten dieses Wahlkampfs zu verweisen.

Inhaltlich bekannte sich Kurz zu einer schrittweisen Erhöhung der Mittel für das Bundesheer, trat allzu euphorischen Erwartungen allerdiings doch deutlich entgegen. Übergangs-Verteidigungsminister Starlinger sieht einen Investitionsbedarf von 16 Milliarden Euro. Ansonsten nutzte der vom Parlament abgewählte Ex-Kanzler die Gelegenheit, seine Wahlkampfschlager unter die Leute zu bringen: Ausgeglichenes Budget samt Schuldenreduktion und Arbeitnehmer-Entlastung; die Kürzungen der Mindessicherung etwa für Migranten verteidigte Kurz. Und die Wahlkampfkostengrenze von 7 Millionen Euro will die ÖVP dieses Mal penibel einhalten. Und seine Forcierung von Wasserstoff-Forschung als Faktor gegen den Klimawandel verteidgte er gegen die Kritik ebenso wie seine Ablehnung einer Kohlendioxid-Steuer.

Überraschungen waren also weder bei Kurz noch bei Rendi-Wagner für die Zuseher dabei. Weder im Negativen noch im Positiven. Also bemühten sich beide, ihre stärksten Mobilisierungsargumente in den Vordergrung zu stellen. Kurz warnte vor einer möglichen linken Mehrheit gegen die ÖVP; Rendi Wagner vor einer Neuauflage von Türkis-Blau.

So unsicher wie das exakte Wahlergebnis am 29. September bleibt auch, in welcher Konstellation Österreich in den kommenden Jahren regiert wird. Und dies, obwohl auch dieses Mal die Koalitionsfrage intensiv debattiert wurde. Doch alle Parteien beharren hier auf ihrer maximalen Flexibilität.