Heinz-Christian Strache wird seinem Ziehvater Jörg Haider immer ähnlicher, wie sich jetzt nach Auffliegen des Spesen-Skandals zeigt. Selbst ein Parteiausschluss steht im Raum. Allerdings will Parteiobmann Norbert Hofer diese Causa erst nach der Nationalratswahl in einem Parteivorstand erörtern.

Auch Jörg Haider hat mit zunehmender Popularität zu hohen Ausgaben für Kleidung und das Drumherum geneigt. Die Wahlkampfkostenrückerstattung und die hohe Parteienförderung nach dem Wahlsieg 1999 haben dazu beigetragen. Dass auch Strache einen ähnlichen Verlauf nahm, bestätigte der steirische FPÖ-Landtagspräsident Gerhard Kurzmann am Mittwoch in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung". Rund um den ehemaligen Parteichef habe es immer Gerüchte unsauberer Geldverwendung gegeben, sagte er. Die FPÖ sei "zum Teil ein Selbstbedienungsladen gewesen", berichtete der ehemalige FPÖ-Rechnungsprüfer.

Bis 2015 war Kurzmann laut dem Interview in den Führungsgremien der Bundespartei. "Ich habe schon davor in der Ära von Jörg Haider erlebt, dass vieles, was erst später aufgekommen ist, einfach nicht sauber war im Sinne einer politischen Ethik", sagte er jetzt. Seinen Angaben zufolge hätten Spitzenpolitiker mit Steuergeld Ausflüge bezahlt und sich Kleidung gekauft. "Haider war zu Beginn in Ordnung. Aber irgendwann hat er seinen Weg verlassen. Macht und Geld korrumpieren", so Kurzmann. Auch bei Strache habe es immer wieder Gerüchte gegeben. In seiner Zeit seien diese Gerüchte allerdings "nie Thema einer offiziellen Sitzung" gewesen, beteuerte Kurzmann in der "Kleinen Zeitung".

Strache wehrt sich
gegen Anschuldigungen

Strache selbst wehrte sich am Mittwoch auf Facebook gegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe wegen angeblich falscher Spesenabrechnungen. Er werde gegen die Verleumdungen vorgehen. "Nein, es gab kein Spesenkonto für mich, sondern für das gesamte FPÖ-Team in meinem Büro und ich hatte ausdrücklich keine ‚Partei-Kreditkarte‘", stellte Strache klar. "Mein FPÖ-Büro und FPÖ-Mitarbeiter-Team und ich hatten monatlich Ausgaben und Spesen durch unsere Termine, Touren quer durch alle Bundesländer, Veranstaltungen, Bürgerversammlungen, Medien-, TV-Auftritte, etc.!", heißt es in der Stellungnahme. Das alles sei "nicht zum Privatvergnügen" gewesen. "Selbstverständlich" habe er sein Gewand privat gekauft.

Auch seine Frau Philippa habe "niemals Spesen über die FPÖ abgerechnet", sie hatte Straches Ausführungen zufolge ebenfalls "keine FPÖ-Kreditkarte". Nichtsdestotrotz kursieren Fotos von Philippa, die sie mit sehr teuren Handtaschen, Schuhen und Kleidern von Chanel, Valentino, Louis Vuitton etc. zeigen.