Wien. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Mittwoch ÖVP-Chef Sebastian Kurz als ersten der Parteiobleute zu einem informellen Gespräch in der Hofburg empfangen. Man habe das Ergebnis der Nationalratswahl sowie das weitere Vorgehen in den kommenden Monaten besprochen, sagte Kurz nach dem rund einstündigen Treffen. Formelle Gespräche wird es erst nach dem Auftrag zu Regierungsbildung geben.

Klar sei nach dem Wahlergebnis, dass die ÖVP den "eindeutigen Auftrag" erhalten habe, den bisherigen Weg fortzusetzen, meinte Kurz nach dem Gespräch mit Van der Bellen. Fragen wollte der ÖVP-Chef noch nicht beantworten.

Am Nachmittag empfing Van der Bellen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Sie sprach von einem "angenehmen und freundlichen Gespräch". Es sei einerseits um eine "offene Analyse des sonntäglichen Wahlergebnisses" gegangen, aber auch um weitere Schritte zur Bildung einer neuen Regierung. Sollte die SPÖ von der ÖVP zu Gesprächen eingeladen werden, möchte sie konstruktiv zusammenarbeiten. 

Kurz bespricht mit Van der Bellen das weitere Vorgehen.

Hofer: FPÖ in Koalitionsverhandlungen "extrem, extrem unwahrscheinlich"

Nach Rendi-Wagner folgte um 16.00 Uhr FPÖ-Chef Norbert Hofer. Man habe sich "ein bisschen über die innenpolitische Situation" unterhalten, sagte Hofer danach. Er habe Van der Bellen mitgeteilt, dass sich die FPÖ auf die Opposition vorbereite, so der Parteichef. Eine Hintertür ließ er sich aber offen.

Natürlich sei auch die Frage der Regierungsbildung erörtert worden, so Hofer nach dem Treffen in der Hofburg. Er wiederholte, dass die FPÖ das Wahlergebnis nicht als Auftrag für eine Regierungsbeteiligung sehe. Das habe er Van der Bellen auch so mitgeteilt. Seine Partei möchte die Zeit nutzen, um sich neu aufzustellen und gute Oppositionsarbeit zu leisten, sagte Hofer.

Sollte es für ÖVP-Chef Sebastian Kurz allerdings "unmöglich werden, eine Regierung zu bilden", so Hofer, könnte der Bundesvorstand der FPÖ die Situation unter Umständen "neu bewerten", sagte er. Dieses Szenario hält Hofer jedoch für "extrem, extrem unwahrscheinlich", teilte der FPÖ-Chef mit.

Außerdem habe er dem Bundespräsidenten von den Plänen zur Modernisierung der FPÖ berichtet, sagte Hofer nach dem Gespräch. Die beiden hätten sich über die jüngst bei den Gremiensitzungen der Freiheitlichen gegründeten Arbeitsgruppen in der FPÖ unterhalten.

Hofer bildete am Mittwoch den Abschluss des Reigens von Van der Bellens Gesprächen mit den Parteichefs. Am Donnerstag kommen Werner Kogler (Grüne) und Beate Meinl-Reisinger (Neos) an die Reihe.