Dass am Tag nach einer historischen Wahlniederlage der Geschäftsführer dieser Partei den Hut nimmt, ist leicht nachvollziehbar. Dass zum Nachfolger ausgerechnet der erfolglose Wahlkampfmanager bestellt wird, der Jahre zuvor bereits als Geschäftsführer der Wiener Landesgruppe unter nicht ganz geklärten Umständen ausgeschieden ist, erscheint dann schon weniger logisch. Und das ist noch höflich formuliert. Genau das ist jedoch bei der SPÖ am Montag passiert.

Und doch ist gerade diese Personalentscheidung, Christian Deutsch zum Nachfolger Thomas Drozdas zu machen, keineswegs außergewöhnlich. Im Gegenteil. Gerade bei den altehrwürdigen Volksparteien, und zwar im Inland wie im Ausland, sind Entscheidungen und Entscheidungsfindungen dieser Art eher der Normalzustand. Eine langfristige, strategische Personalplanung findet kaum statt. Meist sind es prozesshafte Entscheidungen, die keiner inhaltlichen Logik zu folgen scheinen, sie sind oft kurzfristig, erratisch und für Außenstehende völlig unverständlich.

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Diesmal steht die SPÖ im Fokus der medialen Aufmerksamkeit, nachdem sie bei der Wahl noch deutlich schlechter als befürchtet abgeschnitten hat. Doch die Liste ähnlicher Entscheidungen, auch bei anderen Parteien, ist lang. Die ÖVP hatte zuletzt neun Generalsekretäre in nur zehn Jahren, das gleicht schon fast dem Trainerdrehkreuz bei Austria Wien.

Dieses personelle Irrlichtern könnte auf ein strukturelles Problem hinweisen. Tatsache ist nämlich auch, dass sowohl SPÖ wie ÖVP in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Veränderungsprozesse ins Leben gerufen haben. Offenbar sind also gewisse Systemfehler in diesen Organisationen durchaus erkannt worden. Erfolgreich waren diese Prozesse allerdings bisher nicht.

Matthias Strolz war Consulter für Parteien und für Unternehmen. Dann gründete er die Neos. - © Kurier/Gilbert Novy
Matthias Strolz war Consulter für Parteien und für Unternehmen. Dann gründete er die Neos. - © Kurier/Gilbert Novy

"Das liegt an den sehr verschachtelten, komplexen Strukturen. Vieles ist historisch gewachsen. Eine große Statutenreform hat die SPÖ aber nie zusammengebracht", sagt der Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Am Montag waren bei der SPÖ zwei Gremien hintereinander zusammengetreten. Erst das Präsidium, das unter anderem die laufende Verwaltung überwacht und gewisse Ausgaben innerhalb eines vorgegeben Budgets genehmigt. Danach traf sich der Parteivorstand, er ist weit größer und umfasst 55 Funktionäre. Es ist das wichtigere Gremium der Partei, und dieses hat auch Christian Deutsch zum neuen Bundesgeschäftsführer gemacht.

Das ist aber nur die formale Struktur. Die SPÖ hat sie auf 40 Seiten festgeschrieben, bei der ÖVP umfasst das Statut die Hälfte. Die ÖVP ist allerdings durch ihre bündische Struktur noch komplizierter organisiert. Und das haben vor Sebastian Kurz einige Parteiobleute der ÖVP auch zu spüren bekommen. Doch zu Kurz und der (vielleicht) neuen Volkspartei etwas später.