"Man muss sich einmal vorstellen, dass Pampers nur einmal alle vier Jahre Windeln verkaufen könnte. Das führt zu einer hysterischen Fokussierung auf den Wahltag. Alle anderen Prozesse, die in der Organisation laufen, werden entweder abgebrochen oder nach hinten sortiert", sagt Strolz. Auch diese Fokussierung auf die Wahltermine samt oftmaliger inhaltlicher wie personeller Zäsuren in den Tagen danach, erschwert eine strategische Planung. Ein anderer Punkt ist die Ausbildung und Beförderung des Personals. Auch hier können Parallelen zum Fußball gezogen werden. Österreich hat da auch eine Geschichte aufzuweisen, zahlreiche Klubs haben lange Zeit routinierte Spieler aus dem Ausland erworben statt eigene Talente ausgebildet. Das hat sich mittlerweile geändert.

In der Politik gibt es aber noch weniger gute Jobs als im heimischen Fußball. "Es gibt schon Nachwuchsprogramme in der Politik", erzählt Strolz. Dafür sorgen unter anderem auch die Parteiakademien. Strolz war selbst an der Entwicklung eines solchen Programms für den Wirtschaftsbund beteiligt. "Es ist schwierig, weil es quasi ein Lipizzaner-Programm ist", sagt Strolz. Am Ende solcher Ausbildungen stellt sich die Frage, wo diese jungen, oft sehr engagierten Leute beschäftigt werden sollen. Man will sie nicht verlieren, hat aber oftmals keine Stellen für sie. "Das kann man nicht planen. In der Politik gibt es lange nichts, und dann wird innerhalb kurzer Zeit alles auf den Kopf gestellt", sagt Strolz. Dabei geht es nicht nur um Kandidatinnen und Kandidaten für die diversen Wahlen, sondern eben auch um Mitarbeiter, die inhaltlich in den Ministerien, den Vorfeldorganisationen, im Parlament oder den Bundes- und Landesparteien arbeiten.

Hier kommt Sebastian Kurz ins Spiel. Unter ihm hatte die JVP Mentoringprogramme ins Leben gerufen, die es bis heute gibt. Dort lernen die Jungen über politisches Handwerk, Campaigning, Rhetorik und Marketing. Viele von ihnen arbeiten in den Büros der ÖVP und ihren diversen Organisationen oder in Ministerien. Und der Mann, der diese Programme damals organisierte, war später Kabinettschef von Kurz: Bernhard Bonelli.

Kurz hat die komplizierte Struktur seiner Partei zum eigenen Vorteil zu nutzen verstanden. Irgendwann saßen an wichtigen Schalthebeln Vertraute, die durch die Schule der JVP gegangen waren. An den formalen Strukturen selbst hat Kurz gar nichts geändert. Er konnte sich aber durch die eigenen Beliebtheitswerte einerseits und die prekäre Situation der ÖVP andererseits so gute Bedingungen aushandeln, dass er und sein hochprofessionelles Team in Ruhe und strategisch agieren können.

Seine Vorgänger sind allesamt aus den Strukturen der Partei hervorgegangen, meist als personelle Kompromisse der verschiedenen Bünde. Auch Kurz kam aus der Partei, ging aber doch einen gänzlich anderen Weg. Und mit der Übernahme der Kanzlerschaft konnte er auch bald Macht bieten, die eben vieles erleichtert. Die Landesparteien profitieren von dieser neuen Situation ebenfalls. "Wenn die gemeinsame Aufgabe aus dem Auge gerät, brechen interne Konflikte aus", sagt Unternehmensberater Martin Gössler. Das ist bei der SPÖ gegenwärtig gut zu beobachten, nicht zuletzt, weil die Macht abhandenkam. Und diese ist, wie Strolz sagt, Wesenszweck einer politischen Partei.