Wie schnell sich
die Dinge ändern

Auch Christian Kern hatte einen Ansatz gewählt, der jenem von Kurz glich. Er konnte aber nichts vorbereiten, konnte sein Team erst nach Übernahme der Partei aufbauen, und er hatte, anders als Kurz, keine Verbündeten über Jahre aufbauen können. Und dennoch, für ein paar Monate hatte die SPÖ auf einmal wie eine moderne Partei gewirkt, mit schlanker Führungsstruktur und einem populären Kandidaten, der mit dem "Plan A" etwas Neues und Spannendes auch inhaltlich präsentierte. Die ÖVP dagegen? Ein alternder Funktionärskreis, der sich gegen die Interessen der Länder nicht behaupten kann. Doch dann drehte sich eben alles. So schnell kann es manchmal gehen.

Wie Kern hat Kurz versucht, eine alte Organisation zwar nicht strukturell zu erneuern, aber ihr etwas Neues überzustülpen. Im Fall der ÖVP sogar eine neue Farbe und ein neuer Name. "Kurz hat eine Wahlplattform gemacht, hochprofessionell und erfolgreich", sagt der einstige Mitbewerber Strolz. Die ÖVP geändert habe er aber deshalb nicht. "Und wenn er einmal abtritt, dann wird die ÖVP implodieren." Freilich, ob es so kommt, wird erst die Zukunft weisen, aber die gegenwärtige Entwicklung der SPÖ nach Kern stärkt das Argument von Strolz, dem Organisationsentwickler und Ex-Politiker. "Aus systemischer Sicht ist eine Organisation ein Lebewesen", sagt Strolz. "Und Lebewesen können sterben."