Das Ergebnis der Nationalratswahl ist komplett, alle Wahlkarten sind ausgezählt. Mit insgesamt 958.071 abgegebenen Wahlkarten- und Briefwahlstimmen stieg die Beteiligung zwar noch auf 75,59 Prozent. Aber das bedeutet - mit einem Rückgang um 4,41 Punkte - immer noch die zweit-niedrigste Beteiligung der Zweiten Republik. An den Stimmenanteilen änderten die 32.752 am Montag ausgewerteten Wahlkarten nicht viel.

Auch die Mandatsverteilung blieb (abgesehen von zwei SPÖ-internen Verschiebungen) gleich: Die ÖVP stellt künftig 71 Abgeordnete - und hätte sowohl mit ihrem bisherigen Partner FPÖ (31) als auch mit der SPÖ (40) und den Grünen (26) eine Mehrheit im Parlament. Nur mit Neos (15 Mandate) ginge es sich nicht aus.

Große Wahlsieger dieser - wegen des Regierungscrashs nach dem "Ibizagate" der FPÖ schon ausgerufenen - Neuwahl waren die ÖVP und die Grünen. Der ÖVP gelang es erstmals seit 1966, den (2017 errungenen) ersten Platz zu verteidigen; sie legte noch einmal kräftig, um 5,99 Punkte, auf 37,46 Prozent zu. Die Grünen feierten zwei Jahren nach ihrem Rauswurf mit dem besten Ergebnis der Parteigeschichte, 13,90 Prozent (plus 10,10) ein fulminantes Comeback.


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SPÖ noch tiefer gerutscht

Die SPÖ rutschte mit einem saftigen Minus von 5,68 Punkten auf 21,18 Prozent noch tiefer ins historische Tief. Ihr Rückstand auf die ÖVP hat ein Rekordausmaß von 16,28 Prozentpunkten erreicht. Die FPÖ wurde nicht nur für "Ibizagate", sondern auch für die kurz vor der Wahl bekannt gewordene Spesenaffäre ihres Ex-Chefs Heinz-Christian Strache abgestraft: Sie verlor fast zehn Prozentpunkte (9,80) - und liegt mit 16,17 Prozent weit hinter der geschwächten SPÖ auf Platz 3.

Die Neos behaupteten sich in ihrer dritten Wahl mit einem deutlichen Zuwachs (2,80 Prozentpunkte) und ihrem nunmehr besten Ergebnis von 8,10 Prozent. Peter Pilz' Liste Jetzt - die 2017 statt den Grünen ins Parlament eingezogen war - musste sich nach nur zwei Jahren mit nur mehr 1,87 Prozent wieder verabschieden.

Weit unter der Vier-Prozent-Hürde für den Einzug blieben KPÖ (0,69 Prozent) und Wandel (0,46 Prozent). Fünf weitere Parteien, die nur in einem oder zwei Ländern wählbar waren, fanden nicht einmal ein Prozent der Wähler österreichweit.

Verschiebungen

Das Hin und Her um ein Mandat für die Chefin der Sozialistischen Jugend ist zu Ende und es hat ein glückliches Ende für Julia Herr gefunden. Nachdem durch die am Donnerstag ausgezählten Wahlkarten-Stimmen im letzten Moment noch ein Mandat der SPÖ in Wien verloren ging, der SPÖ aber insgesamt blieb, kommt Herr über die Bundesliste zum Zug.

Damit verpasst die Vorsitzende der größten Einzelgewerkschaft GPA, Barbara Teiber, den Wechsel vom Wiener Gemeinde- in den Nationalrat. Auch Angela Lueger, bisher Sicherheitssprecherin der SPÖ, war recht knapp in ihrem Wahlkreis gescheitert. Ebenso aus der Wiener Riege Abschied vom Hohen Haus nehmen muss die frühere Staatssekretärin Muna Duzdar.

Endgültig fix ist mittlerweile auch, dass Bau/Holz-Gewerkschafter Josef Muchitsch in der Steiermark durch ist. Dafür verpasst durch die Wahlkarten-Stimmen Birgit Sandler ihr Wahlkreis-Mandat in der Obersteiermark - das an die Landesliste geht und wohl Karin Greiner einen Verbleib im Nationalrat ermöglicht.

Wien-Ergebnisse

Die endgültigen Wien-Ergebnisse:

ÖVP 24,63 Prozent - das ist ein Plus von 3,03 Prozentpunkten und plus ein Mandat im Vergleich zur Nationalratswahl 2017.

SPÖ 27,11 Prozent (minus 7,38 Prozentpunkte und minus 3 Mandate).

Grüne 20,69 Prozent (plus 14,79 Prozentpunkte und plus 6 Mandate).

FPÖ 12,83 Prozent (minus 8,52 Prozentpunkte und minus 3 Mandate).

Neos 9,86 Prozent (plus 3,40 Prozentpunkte und plus 1 Mandat).

Jetzt 2,96 Prozent (minus 4,55 Prozentpunkte und minus 2 Mandate). (apa)