Grüne Kompetenzen in unerfahrenen Händen

Die erste Klubsitzung zum Kennenlernen gab es bereits, Anfang kommender Woche geht der Grüne Klub gleich in Klausur. Sie sollen sich darüber austauschen können, wie sie ihre Rolle im Parlament anlegen wollen. Denn nur Werner Kogler und Sigrid Maurer für die Grünen sowie Alma Zadić für Jetzt waren bereits im Nationalrat. Michel Reimon bringt Erfahrung aus dem Europa-Parlament mit, Ewa Ernst-Dziedzic und David Stögmüller aus dem Bundesrat - den restlichen 20 der 26 aber fehlt die parlamentarische Erfahrung.

Dabei muss nun vieles rasch gehen. Auch die Frage, wer sich nach dem 23. Oktober im Nationalrat für welchen Ausschuss zur Wahl stellt, drängt. Und da gibt es unter den Abgeordneten für den Umweltausschuss mit Leonore Gewessler, die von "Global 2000" in die Politik wechselte, mit Astrid Rössler, deren Thema das schon in der Salzburger Landesregierung war, oder Lukas Hammer, früher Umweltreferent im Parlamentsklub, dann bei Greenpeace, ein Überangebot. Ähnlich bei Forschung, Menschenrechte oder Gleichbehandlung - bei der Landesverteidigung aber gibt es kein klares Atout.

Die Grünen hatten 2017 ein Full-House mit fast 100 Klubangestellten sowie Referentinnen und Referenten: Bei grünen Kernthemen wie Umwelt und Menschenrechten, Digitales und technologische Innovation können sich die Grünen ein gutes Blatt an den Universitäten und in NGO zusammensuchen - auch von den 100 könnten manche erneut andocken, andere auch aus den Bundesländer-Büros nach Wien wechseln.

Die Grünen wollen aber auch Stellen ausschreiben, "um die besten Leute zu bekommen und hier transparent nicht nur unter den eigenen Bekannten zu suchen", sagt Niklfeld. Ausschreibungen wird es aber auch brauchen, um bei Sperrigerem wie Finanz- oder Budgetfragen Personal zu finden.

Denn die Anzahl an Klubmitarbeitern von Jetzt, die sich nun bei den Grünen bewerben, könnte - wie umgekehrt nach der Wahl 2017 auch - überschaubar bleiben. Manche böten sich aus dem Wahlkampfteam an, andere von Jugend- oder Studierendenorganisationen, eventuell aus dem grünen gewerkschaftlichen Umfeld.

Die "einende Kraft"
bei den Grünen

Ein Posten dagegen ist ganz einfach zu besetzen: die Leitung des Klubs. Es kann nur jemand, der in den Nationalrat einzieht, sein. Optimalerweise kennt die Person das politische Spiel im Nationalrat, muss sich die Autorität gegenüber den anderen Abgeordneten nicht erst erarbeiten, sondern kann beides: Er kann sowohl nach außen für Ideen begeistern und die kritische Stimme gegenüber den anderen Parteien erheben als auch intern für Disziplin und Einigkeit sorgen.