Tatortarbeit, also das Sichern von Spuren, Zeugenbefragungen, Vernehmungen und die Obduktion der Leichen: Die Polizei arbeitete am Montag alle notwendigen Schritte nach dem Fünffachmord Sonntagfrüh in Kitzbühel ab. Ein 25-Jähriger wird verdächtigt, seine 19-jährige Ex-Freundin, deren neuen Freund (24), deren Vater (59), Mutter (51) und Bruder (25) erschossen zu haben. Tatwaffe war die Pistole des Bruders des Verdächtigen, die in einem Tresor aufbewahrt war und die der Verdächtige nach seinem ersten Besuch beim Haus seiner Ex-Freundin holte, nachdem ihn der Vater an der Haustür abgewiesen hatte.

Noch Sonntagvormittag stellte sich der 25-Jährige bei der Polizeiinspektion Kitzbühel selbst. Am Montag wurde gegen ihn am Landesgericht Innsbruck laut Staatsanwaltschaftsprecher die Untersuchungshaft verhängt. Noch am Sonntagnachmittag war er nach Innsbruck überstellt worden.

57 Prozent der Täter
kennen das Opfer

Gewalt in diesem extremen Ausmaß ist selten. Ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt aber, dass die Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden, häufig im Familien- oder Bekanntenkreis lauert. Insgesamt wurden laut Bundeskriminalamt im Vorjahr 69.426 Gewaltdelikte österreichweit angezeigt: In 21.297 Fällen gab es ein Bekanntschaftsverhältnis und in 18.714 Fällen eine familiäre Beziehung. In anderen Worten: Bei mehr als der Hälfte der Anzeigen, konkret 57 Prozent, kannte der oder die Täterin das Opfer.

Von den 72.567 Tatverdächtigen waren 85,3 Prozent männlich und 14,7 Prozent weiblich. Unter den Opfern waren 46.934 Männer und 34.836 Frauen. Was die Anzahl der Morde betrifft, so ist diese der polizeilichen Kriminalstatistik zufolge seit 2014 stetig gestiegen: Wurden im Jahr 2014 insgesamt 19 Frauen ermordet, so waren es im Vorjahr bereits 41 (von 73 Morden).

Drohungen ernstnehmen statt Motivsuche

Am Tatort in Kitzbühel erinnern mehrere Kerzen und Rosen, die in der Hauseinfahrt liegen, an die Opfer. Die Haustür wurde mit einem Polizeiabsperrband versiegelt. Normalität wird in dem abgelegenen Kitzbühler Ortsteil aber vermutlich noch lange nicht einkehren. Unter den Bewohnern ist die Tat freilich das Gesprächsthema Nummer eins. Die SPÖ Langenzersdorf postete erst "#nächsterFPÖAmoklauf", nach der Kritik löschten die Urheber das zwar, ihnen droht aber noch der Parteiausschluss. Einen solchen vollzog die FPÖ Kitzbühel dagegen am Sonntag - und zwar gegen den mutmaßlichen Täter. Er war 2014 als Jugendreferent Mitglied der Stadtparteileitung der FPÖ Kitzbühel, dann einfaches Mitglied.