Anlässlich des "Welttags der seelischen Gesundheit" am 10. Oktober läuten bei Berufsgruppen und Hilfseinrichtungen, die mit psychisch Erkrankten arbeiten, die Alarmglocken. Beate Wimmer-Puchinger, Präsidentin des "Berufsverbands Österreichischer PsychologInnen" macht Wirbel im Sinne der Klientel. Denn: "Psychische Erkrankungen sind leise, sie werden viel zu wenig gesehen und immer noch unterschätzt", sagt Wimmer-Puchinger. Das Wissen in der Bevölkerung sei nach wie vor viel zu gering – "die Scham, darüber zu sprechen, aber umso größer".

Johannes Wancata, Präsident der "Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik", betont: "Es darf nicht sein, dass psychisch schwer kranke Menschen monatelang auf eine Behandlung warten müssen. Diese Form der Zwei-Klassen-Medizin ist inakzeptabel und eine Schande für eines der reichsten Länder der Welt."  "Psychische Erkrankungen sind die neue Armutsfalle", ergänzt Andrea Birbaumer, Obfrau der "Gesellschaft kritischer Psychologen und Psychologinnen" darüber hinaus. Und Günther Klug, Präsident von "pro mente Austria", dem Dachverband gemeinnütziger, psychosozialer Organisationen, resümiert: "Wir haben nicht nur eine Klimakrise, sondern auch eine psychosoziale Krise. Wir brauchen ein Österreich, das auf die Seele seiner Bevölkerung achtet."

Mehr als eine Million psychisch Erkrankte

Tatsächlich ist es um diese Seele in vielen Fällen schlecht bestellt: Wimmer-Puchinger spricht von 1,2 Millionen Österreicherinnen und Österreichern, die von einer psychischen Erkrankung betroffen sind. Bei fünf Prozent der Bevölkerung, "das sind 442.000 Einzelschicksale", seien die Krankheiten chronifiziert, also "von einem Teufelskreis von psychischen und somatischen Folgeerkrankungen" bestimmt.

Peter Stippl, Präsident des "Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie", greift zu noch drastischeren Vergleichen: Mit 1224 starben in Österreich 2017 drei Mal so viele Menschen durch Suizid als bei Verkehrsunfällen, warnt er. Laut Weltgesundheitsorganisation sterbe weltweit alle vierzig Sekunden ein Mensch durch Suizid. "Das sind sehr alarmierende Tatsachen."

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