Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger erwartet sich von der kommenden Regierung eine langfristige Lösung im Pflegesektor. Die neue Regierung sollte sich Zeit nehmen, eine "Dauerlösung" zu schaffen, "die Jahrzehnte hält", sagte Hauptverbands-Chef Alexander Biach in einer Pressekonferenz am Dienstag. Und Pflege solle "keine ideologische Frage, sondern eine Verantwortungsfrage" sein.

Anlass für die Forderung Biachs war die am Dienstag im Hauptverband abgehaltene 13. "Sozialstaatsenquete", bei der die Zukunft des Pflegesicherungssystems im Mittelpunkt stand. Vor Beginn der Enquete verwies der Hauptverbandschef auf Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo): Diese lassen bis ins Jahr 2050 eine deutliche Erhöhung der öffentlichen Ausgaben für Pflegedienstleistungen erwarten - und zwar um mehr als 300 Prozent.

Wifo-Chef Christoph Badelt forderte eine "tabulose Analyse" von Pflegesystemen. Zur Frage der künftigen Finanzierung betonte Badelt, man könne generell nicht sagen, ob eine Pflegeversicherung besser als eine Lösung über die Steuereinnahmen sei. "Wir brauchen hier eine empirisch gesicherte Analyse und es braucht wenig Ideologie." Biach sprach sich klar für ein Mischsystem aus: "Nur ein Mischsystem aus Steuern und Abgaben kann das stemmen", sagte er zum erwarteten Mehraufwand.

Akuter Pflegekräftemangel

Die Caritas nutzt die nach der Nationalratswahl frei gewordenen Plakatflächen, um auf den akuten Pflegekräftemangel aufmerksam zu machen. Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien, forderte bei einer Live-Klebeaktion am Dienstag ein "Pflegekraftpaket". Bis zum Jahr 2050 brauche es zusätzlich 50.000 Pflegekräfte. Alle Pflegeanbieter seien derzeit schon auf der dringenden Suche nach Personal.

Die Caritas fordert Ausbildungs- und Jobgarantie für künftige Pflegekräfte und die Schaffung von zusätzlichen 2000 Ausbildungsplätzen pro Jahr, eine berufsbegleitende Ausbildung und Verbesserungen für Quereinsteiger, die Abschaffung der Ausbildungskosten für diplomierte Pflegekräfte und ein Ende des Schulgelds für alle übrigen Pflegeberufe sowie eine Einführung bzw. Erweiterung des Taschengeldes für Studierende im Bereich der Krankenpflegeberufe, eine Anpassung der Gehälter im Langzeitpflegebereich und eine Digitalisierungsoffensive für die Pflege.(apa)