Wie schaut eine mögliche Lösung dieser Sollbruchstelle aus?

Viele Ökonomen meinen, dass wir Ressourcenverbrauch richtig bepreisen müssen, aber eben zunächst auf europäischer Ebene, weil dies unser Heimatmarkt ist, und dann auch unter Einbeziehung internationaler Handelsabkommen, indem etwa außereuropäische Importe mit einer CO2-Abgabe belegt werden. Wir brauchen einfach die richtigen Instrumentarien, weil unsere Wirtschaft bereits sehr ressourcenschonend produziert. Und wenn es um die Erreichung von Emissionszielen geht, so sind mir ganz grundsätzlich Anreize und die Unterstützung von Innovationen und Forschungen lieber als Strafbesteuerungen.

Bei Schwarz-Grün gibt es bestimmte Reizwörter. "Gerechtigkeit" ist so ein Beispiel: Die einen fordern diese hier und heute, andere denken dabei an ihre Kinder und Enkel. So oder so steckt darin politisches Konfliktpotenzial.

Ich kann das nur für die Wirtschaft beantworten. Kinderarmut zum Beispiel ist eine Schande. Was immer hier getan werden kann, soll jetzt getan werden und nicht in 15 Jahren. Das Gleiche gilt für Bildung: Wir müssen heute und nicht irgendwann in die frühkindliche Entwicklung und den Kindergarten investieren, auf dass die Menschen in ihrem späteren Leben ihre Chancen ergreifen können. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um andere Ressourcen wie Aufmerksamkeit. Hier einen Schwerpunkt zu setzen, wäre längst überfällig.

Auch beim Begriff Wachstum scheiden sich die Geister: Viele Grüne wollen sich von der Idee verabschieden, auf der anderen Seite bricht ohne Wachstum die Finanzierung des Sozialstaats zusammen.

Die Frage wird auch in der Wissenschaft höchst kontroversiell diskutiert, wobei es auch um Definitionen geht. In vielen Ländern wird darüber nachgedacht, die Zusammensetzung des Brutto-Inlandsprodukts neu zu bestimmen, aber in Wirklichkeit lässt sich das nationalstaatlich nicht lösen. Ich würde aber auch den Begriff Wachstum durch Entwicklung ersetzen, diese hat nämlich eine qualitative wie auch quantitative Dimension; das Wesentliche bleibt für mich dennoch, unsere Gesellschaft weiterzubringen, und das hat stets eine materielle wie immaterielle Komponente. Entscheidend ist für mich dabei die Überzeugung, dass die Grundkonzeption des schumpeterianischen Unternehmers als Innovator der menschlichen Entwicklung zutiefst zuträglich ist.

Die Grünen fordern vehement Vermögens- und Erbschaftssteuern, beides betrachtet die ÖVP als No-Go. Wo kann man sich hier treffen?

Leider wird nicht verstanden, dass eine Substanzbesteuerung unsere Wettbewerbsfähigkeit massiv schwächt, das wäre ein Jobkiller, zumal wir ohnehin einige Elemente bereits jetzt haben. Ich halte das primär für eine Politmarketingfrage, das gilt auch für Erbschaftssteuern, die ja eine weitere Substanzbesteuerung sind. Wir stellen uns jeder Debatte und haben gute Argumente für unsere Position. Und bisher habe ich die Grünen als extrem sachorientierte Verhandler erlebt - und das ist eine reine Sachfrage.

Worin liegt der stärkste Anreiz für Schwarz-Grün?

Als Wirtschaftsvertreter bin ich pragmatisch. Wir fürchten uns jedenfalls nicht, und wenn ein Teil der Erzählung sein sollte, Klima- und Umweltprodukte "Made in Austria" für die Weltmärkte, dann kann das auch eine große Chance sein. Quasi ein "Green New Deal" auf österreichisch.