Wien. Gut, aber teuer: So wird Österreichs Gesundheitssystem oft beschrieben. Betrachtet man Österreich im Vergleich zu den anderen Ländern der OECD, also der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, so fließt hierzulande auch tatsächlich relativ viel Geld in die Gesundheit: Mit einem Anteil der laufenden Gesundheitsausgaben am BIP von 10,4 Prozent lag Österreich im Vorjahr auf dem zehnten Platz von 36. In Euro waren das rund 40 Milliarden.

Auch in den Jahren davor rangierte Österreich stets über dem OECD-Schnitt. Daraus habe man jedoch "katastrophal falsche Schlüsse gezogen", sagte dazu Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen und der Wiener Ärztekammer sowie Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, am Mittwoch. Man müsse Einsparungen vornehmen, kostendämpfende Maßnahmen setzen, habe es stets geheißen. Mit dem Effekt, dass heute der ärztliche Nachwuchs fehle und vor allem der niedergelassene Bereich geschwächt sei.

Kosten steigen
vergleichsweise langsam an

Gemeinsam mit Leo Chini vom Forschungsinstitut für Freie Berufe der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) und Martin Albert, Geschäftsführer und Bereichsleiter Gesundheitspolitik beim Berliner Forschungsinstitut Iges, präsentierte er am Mittwoch eine Vergleichsstudie der Gesundheitsausgaben in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Diese wurde aus dem Budget der WU Wien finanziert - und in diesem Vergleich gibt Österreich am wenigsten aus, und die Kosten steigen vergleichsweise langsamer an. Denn in Deutschland entfallen demnach 11,2 Prozent des BIP auf Gesundheitsausgaben, in der Schweiz sind es 12,2 Prozent.

Diese Analyse der deutschsprachigen Nachbarländer ist in den Augen der Autoren und Steinharts sinnvoller, weil sie vergleichbar seien: Alle drei Länder liegen in der OECD unter den Top Ten, sowohl im Anteil der Wirtschaftsleistung, als auch in den Pro-Kopf-Ausgaben. Steinhart sieht sich durch diesen Vergleich in seiner Ansicht darin bestätigt, dass es "Potenzial nach oben in der Ausgestaltung unseres Gesundheitssystems" gebe. Konkret fordert die Ärztekammer daher von der nächsten Bundesregierung eine Anhebung der Ausgaben für das Gesundheitswesen auf 12 Prozent des BIP und österreichweit 1300 zusätzliche Kassenärzte.

Die Dreiländer-Untersuchung zeigt, dass in Österreich der niedergelassene Bereich mit einem Anteil von 34 Prozent an den gesamten Gesundheitsausgaben stark hinter dem Krankenhausbereich mit einem 44-prozentigen Anteil zurückfällt. Österreich und Deutschland waren 2017 mit jeweils mehr als 23.000 Krankenhausaufenthalten pro 100.000 Einwohner OECD-Spitzenreiter. Zahlreiche Leistungen, die derzeit in Spitälern erbracht werden und dadurch um vieles teurer sind, könnten in den billigeren niedergelassenen Bereich wandern, so Steinhart.