Wenn die Themen Fluchtkrise und Integration aufkommen, dann wird vor allem über Männer gesprochen. Dabei wurde der Anteil der geflüchteten Frauen in den vergangenen Jahren in Österreich immer größer. Konkret stieg dieser seit 2015 von knapp 30 auf 40 Prozent an. Das hat unter anderem mit der Familienzusammenführung zu tun. Dennoch spielen geflüchtete Frauen im politischen Diskurs keine Rolle.

Doch gerade bei weiblichen Geflüchteten bekommen bestehende geschlechterspezifische Benachteiligungen in einer Gesellschaft eine noch problematischere Dimension. Die Kulturwissenschafterin Judith Kohlenberger von der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) fühlt sich bei einer Pressekonferenz der Plattform "Menschen.Würde.Österreich" an die türkische Gastarbeitergeneration in Österreich erinnert. Der Mann wurde als Arbeitskraft geholt, ein Familienzuzug war nicht geplant, die Männer sollten auf Zeit kommen. Der Zuzug sei dann passiert. Die Frau blieb als "Anhängsel" zu Hause und kümmerte sich um die Kinder. Damals gab es laut Kohlenberger an sich keine wirkliche Integrationspolitik für die Gastarbeiter, auf die Frauen sei ganz vergessen worden.

Mit der Folge, dass jene Frauen weder eine höhere Bildung noch eine ökonomische Unabhängigkeit erreichen konnten. Bis heute könnten viele der Migrantinnen von damals kaum Deutsch.

Wenn die Integration der Frauen ausbleibt, habe das laut Kohlenberger einen verheerenden Effekt. Frauen seien innerfamiliäre Vorbilder, etwa für weibliche Selbstbestimmung, und hätten einen großen Anteil am Bildungsaufstieg ihrer Kinder. Bleibt die Integration aus, dann könnte sich die Geschichte der Gastarbeiterkinder wiederholen: Bei der zweiten als auch bei der dritten Generation sei kein wirklicher sozialer Aufstieg erkennbar, sagt Kohlenberger.

Der schwere, soziale Aufstieg

Geflüchtete Frauen sind aber keine homogene Gruppe. Sie unterscheiden sich durch Herkunft und Fluchtursache, sagt Kohlenberger. Aus Syrien und dem Irak seien Frauen gekommen, die durch das höhere Bildungsniveau oft einen besseren Abschluss als die Männer hätten. In Afghanistan hätten wiederum viele Frauen durch das frühere Taliban-Regime keinen Zugang zur Schule gehabt und keine formale Bildung. Laut der Wissenschafterin hätten sie aber oft ein Handwerk gelernt, für das nur geltende Papiere fehlen würden. Auch das sei eine Chance.

Ein größeres Problem sei, dass geflüchtete Frauen selbst bei höherer Bildung aus dem Heimatland hierzulande eher in prekären Berufen landen. Laut WU-Daten hätten sie in ihren Herkunftsländern vor allem im Gesundheits- und Pflegebereich gearbeitet. Ein Bereich, der in Österreich dringend Arbeitskräfte braucht. Hier ist die Anerkennung der Ausbildung ein Problem. Erschwerend zu allen Hürden, ob es der Deutschkurs ist oder der Job, kommt hinzu, dass geflüchtete Frauen bei der Kinderbetreuung auf kein soziales Netz wie die Großeltern zurückgreifen können.

Mangelware sind auch Therapieplätze mit Fachkräften für geflüchtete Frauen mit psychischen Traumata, sagt Nora Ramirez-Castillo vom Betreuungszentrum Hemayat. Viele Frauen seien auf ihrer Flucht Opfer sexueller Gewalt geworden. Bei Hemayat werden die Frauen von weiblichem Personal betreut. Aber auch dort kann es bis zu einem Jahr dauern, bis ein Therapieplatz frei ist.

Die Allianz "Menschen.Würde.Österreich" fordert angesichts der zahlreichen Problemstellungen eine "Aufnahme frauenspezifischer Maßnahmen in die anstehenden Sondierungsgespräche und Regierungsverhandlungen". Eine Resolution mit Forderungen aus den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit und speziell zur Rolle der Frau wurde von der Plattform an die Parlamentsparteien übermittelt.