Vorarlberg hat gewählt - und schon stehen zwei der Wahlsieger wieder im Zentrum der Debatte: Die Vorarlberger Volkspartei konnte 43,6 Prozent für sich verbuchen, das ist ein Plus von 1,8 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl 2014. Die Grünen erreichten mit 18,8 Prozent nicht nur um 1,6 Prozentpunkte mehr, sondern ihr bestes Ergebnis der Geschichte.

Eine Koalition aus ÖVP und Grünen wurde also nicht nur bestätigt, beide Parteien gewannen dazu. Der Druck auf die Bundespolitik steigt nun damit, sich an ein solches Projekt auch auf Bundesebene zu wagen. Trotzdem bemühen sich Vertreter der beiden Parteien, den Blick auf das Besondere in Vorarlberg zu lenken.

Gilt der Auftrag nur fürs Land - oder auch für den Bund?

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sieht im ORF-Radio im "Vertrauenszuwachs" für beide Regierungsparteien "ein Stück weit einen Auftrag". Diesen Auftrag aber nimmt Wallner für sich und die Grünen im Bundesland als solchen wahr. Man spreche zwar mit allen Parteien, aber es sei "ein Gebot der Fairness" mit dem bisherigen Koalitionspartner Verhandlungen zu starten, die Chancen für eine Neuauflage stünden "nicht schlecht".

Auf eine mögliche türkis-grüne Koalition im Bund angesprochen, sagt Wallner aber: "Wir halten uns da bewusst zurück." Die Fragen im Bund, eine Steuerreform zum Beispiel, seien "herausfordernder"; die Grünen in Wien außerdem nicht jene in Vorarlberg. Auch deren Chef Johannes Rauch betonte die Vorarlberger Dimension des Ergebnisses, weil man am "historischen Wahlabend" erstmals Platz zwei erreicht hat. Außergewöhnlich sei auch, als kleinerer Regierungspartner zuzulegen. Die Voraussetzungen, die Koalition mit der Landes-ÖVP weiterzuführen, seien "sehr gut" - "Selbstläufer" sei sie aber keiner.

Genau diesen Selbstläufer sieht auch Werner Kogler für die türkis-grünen Koalitionssondierungen, die am Freitag fortgesetzt werden, auf Bundesebene nicht: Kogler nahm zwar zur Kenntnis, dass eine Regierungsbeteiligung nicht unbedingt ein Wahlminus für den kleineren Partner bedeutet. Nach dem Rückenwind für den Bund gefragt, schränkte Kogler ein: "Von Salzburg weg in Richtung Westen bezeichnet sich die ÖVP als schwarz." Er spricht von den christlich-sozialen Wurzeln, die in den Landesparteien stärker verankert sind: "Es ist dieser soziale Ansatz, mit dem sie uns näherstehen." Außerdem habe sich die ÖVP auf Landesebene selbst von der türkisen Variante im Bund abgegrenzt.