ÖVP-Chef Sebastian Kurz gratulierte Wallner via Twitter "zu diesem großartigen Ergebnis". Als Gründe für den Erfolg nennt er landespezifische, "wichtige Projekte für die positive Entwicklung des Landes". Über Auswirkungen auf die Bundespolitik dagegen lässt er sich nicht aus.

Wobei, eine Parallele gibt es doch, und zwar bei den Wahlmotiven: Wie im Bund mit Kurz war auch in Vorarlberg Landeschef Wallner das wichtigste Motiv, der ÖVP die Stimme zu geben. Bei den Grünen ist sowohl im Bund wie im Land der Umwelt- und Klimaschutz das wichtigste Wahlmotiv.

Der Druck auf ÖVP und Grüne, im Bund eine Koalition zu bilden, erhöht sich noch aus einem anderen Grund. Weder bei der FPÖ, die in Vorarlberg klarer Wahlverlierer war, noch bei der SPÖ wird die Wahl als Zeichen für eine Regierungsbeteiligung gesehen. Die Neos konnten in Vorarlberg zwar um 1,6 auf 8,5 Prozent zulegen, spielen wie im Bund aber vorläufig keine entscheidende Rolle bei der Koalitionsfindung.

FPÖ konnte Wähler nicht mobilisieren

Die FPÖ erlebte in Vorarlberg einen Absturz um knapp zehn Prozentpunkte. Mit knapp 14 Prozent fielen die im Ländle traditionell starken Freiheitlichen damit sogar hinter die Grünen zurück. Für die Bundes-FPÖ ist das nach der Nationalratswahl die erneute Bestärkung, dass dies kein Auftrag für eine Regierungsbeteiligung ist.

Ein Hauptgrund für das blaue Debakel in Vorarlberg war wie bei der Nationalratswahl, dass die Spesenaffäre rund um Ex-FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache Wähler abgeschreckt hat. Insgesamt konnte die FPÖ in Vorarlberg nur 47 Prozent ihrer Wähler von 2014 erneut mobilisieren, wie das Sora-Institut für die ORF-Wählerstromanalyse ermittelt hat. Immerhin jeder vierte freiheitliche FPÖ-Wähler ist diesmal gar nicht zur Stimmabgabe gegangen.

Die Freiheitlichen in Vorarlberg haben lange Jahre mit einem betont wirtschaftsliberalen Kurs bis um die Jahrtausendwende eine Sonderrolle in der FPÖ eingenommen. Nach der Wahl 1999 waren sie mit 27,4 Prozent auf einem Höchststand. In der Zeit der Obmannschaft Straches ab 2005 segelte die Partei zunehmend auf der besonders restriktiven Bundeslinie gegen Zuwanderung. Das Thema Zuwanderung/Integration war auch unter dem jetzigen, neuen Spitzenkandidaten Christof Bitschi mit 68 Prozent das wichtigste Motiv für FPÖ-Wähler.

Hauptprofiteur war zwar wie im Bund die ÖVP: Tausende Wähler wanderten zu Wallner. Allerdings konnte die türkise ÖVP bundesweit bei der Nationalratswahl mit Kurz stärker vom Absturz der FPÖ profitieren. Das mag auch an einem Unterschied liegen: Wallner hatte im Gegensatz zu Kurz einer Zusammenarbeit mit der FPÖ von vorneherein eine Absage erteilt.

Für die Bundes-SPÖ bringt das Abschneiden bei der Landtagswahl ebenfalls keinen Rückenwind. SPÖ-Landeschef Martin Staudinger spricht zwar von einer "historischen Trendwende", weil man erstmals seit 2004 wieder zugelegt hat. Es wurde aber nur ein leichter Zuwachs. Das erklärte Ziel, die Zehn-Prozent-Marke zu überspringen, wurde verfehlt.