Über die Neos wird dieser Tage nicht gerade viel gesprochen. Das war im Sommer und den Monaten davor noch anders. Die Neos waren die auffälligste der drei Oppositionsparteien. Sie waren scharf, aber nicht blindlings hau-drauf, sondern konstruktiv und nicht zu polemisch. Das sorgte für Anerkennung weit über die Grenzen ihrer klassischen Wählerschichten hinaus. Das schlug sich auch in den Umfragedaten nieder. Nach Ibiza flogen diese zeitweise in die Zweistelligkeit.

Dann kam der Wahlkampf, in dessen Dynamik die Neos nicht mehr ganz so zur Geltung kamen wie in der parlamentarischen Auseinandersetzung mit der türkis-blauen Regierung. Beflügelt vom Klima-Thema zogen die Grünen am Wahlabend an den Neos vorbei. Und zwar so deutlich, dass es eine türkis-grüne Mehrheit im Nationalrat gibt. Das war kaum für möglich gehalten worden. Eine Regierungsbeteiligung der Neos ist damit kaum noch Thema - und damit irgendwie die gesamte Partei. Der öffentliche Fokus richtet sich seither auf die beiden großen Wahlgewinner und ihre mögliche Koalition, auf den Versuch Norbert Hofers, die Scherben der FPÖ einzusammeln und die Sinnsuche der Sozialdemokratie und deren Debatte, welcher Weg stimmt.

Dabei hatten auch die Neos bei der Nationalratswahl trotz geringerer Wahlbeteiligung die Zahl der Stimmen um 40 Prozent erhöhen können und fast drei Prozentpunkte dazugewonnen. Eigentlich ein deutlicher Erfolg. Und in Vorarlberg haben sie sogar mit 8,48 Prozent das beste Ergebnis in der noch jungen Parteigeschichte eingefahren, doch auch dort wird es keine Regierungsbeteiligung geben. Dabei wollten die Neos von ihrer Gründung an gestalten. "Wir wollen in die nächste Regierung", sagte Parteigründer Matthias Strolz einst beim Gründungskonvent 2012. Seither gab es 13 Wahlen in Bund und Ländern, das einstige Ziel ist nur einmal, in Salzburg, Realität geworden.

Eine gewisse Ambivalenz könnte man angesichts dessen schon nachvollziehen, doch die Freude der Pinken über die jüngsten Wahlergebnisse wirkt nicht gestellt. Vielleicht auch, weil die drei Wahlen in diesem Jahr gezeigt haben, dass die Neos eine bleibende Kraft sein dürften. Das Liberale Forum hatte einst die dritte Nationalratswahl als Parlamentspartei nicht überlebt. Und auch bei den Neos war es vor zwei Jahren knapp. "Es hätte damals auch anders ausgehen können", sagt Nick Donig, seit rund zwei Jahren Generalsekretär . Nach jener Wahl 2017 hatten die Neos strukturelle Änderungen vorgenommen. Offenbar haben sich diese bezahlt gemacht.