Wien. Das Österreichische Bundesheer glänzt derzeit nicht unbedingt mit guten Nachrichten. Wie auch, wenn Interims-Minister Thomas Starlinger für das kommende Jahr hochoffiziell vor der Pleite warnt. Dabei gibt es durchaus auch Erfolgsgeschichten. Etwa das bei der Landesverteidigungsakademie angesiedelte Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK), das am heutigen Donnerstag sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Wie viele gute Ideen verdankt auch das IFK seine Gründung einer Tragödie und der untätigen Hilflosigkeit bei der Beobachtung ihres Verlaufs. Im Laufe der 1990er Jahre zerbrachen die vermeintlichen geostrategischen Klarheiten nach dem Sieg der USA im Kalten Krieg. Besonders deutlich - und für alle Europäer besonders schmerzlich - ließ sich das im Chaos der Auflösungsprozesse der UdSSR beobachten. Vor allem der blutige Zerfall Jugoslawiens habe dabei als Augenöffner fungiert, erzählt Brigadier und Leiter Walter Feichtinger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Damals hatten schlicht die analytischen Erklärungsmodelle für die Ereignisse gefehlt, die sich da plötzlich vor der eigenen Haustür abspielten. Und mit der Rückkehr der Krisen und Konflikte zeichnete sich auch bereits ab, dass die Nachfrage nach friedenserhaltenden Einsätzen steigen würde.

Am Anfang stand die Frage: Was hätten wir tun können?

Dieser Forschungs- und Beratungsbedarf wurde vom damaligen Direktor des Büros für Sicherheitspolitik, Erich Reiter, und dem Kommandanten der Landesverteidigungsakademie Ernest König erkannt. Das war 1997, zwei Jahre später war das IFK geboren. Was damals alle umtrieb: Wie hätten wir die blutigen Kriege am Balkan verhindern können? Wie viele und welche Truppen wären nötig gewesen, um wirksam einzugreifen? "Die jugoslawischen Zerfallskriege waren der Treiber für das Institut, aber auch für die Entwicklung der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsstrategie", sagt Feichtinger.

Österreich war mit seinen Fragen an die neue Unübersichtlichkeit nicht allein. Aber der ganz eigene Blickwinkel war dann doch besonders. "Was das IFK damals und bis heute international auszeichnet", so Feichtinger, "ist der besondere Zugang Österreichs, das Konflikt- und Krisenmanagement nie rein militärisch zu denken, sondern auch politikwissenschaftlich sowie in enger Zusammenarbeit mit den zivilen Institutionen." Diese breite Problemperspektive über das rein Militärische hinaus ist eine der Grundanforderungen für die zehn wissenschaftlichen Mitarbeiter des IFK.

Also ist die alte Weisheit "Wer Frieden will, rüste sich zum Krieg" endgültig abgelegt? Keineswegs. Für die Gegenwart konstatiert Feichtinger eine zunehmende Militarisierung der Außenpolitik aller großen Mächte: Die USA, Russland und China bereiten sich alle auf die eine oder andere Weise auf kommende militärische Auseinandersetzungen vor.

Die Rückkehr der Idee
vom "kontrollierten Krieg"

"Die Utopie lebt wieder auf, dass sich Kriege kontrollieren lassen", so Feichtinger, "aber die Dynamik militärischer Auseinandersetzungen lässt sich niemals und von niemandem verlässlich vorhersagen; niemand vermag heute mit Sicherheit zu sagen, wie sich der Krieg in Nordsyrien weiterentwickelt." Die längst außer Kontrolle geratene Intervention Saudi-Arabiens im Jemen ist für Feichtinger nur das jüngste Beispiel.

Die Rolle des IFK beschreibt der Brigadier dabei recht simpel: "Es geht darum, die kleinen wie großen Konflikte kompakt und verständlich zu erklären. Wir sagen den Menschen in Österreich, was sich auf der Welt tut." Gerade wenn ein kleines Land Soldaten in Konfliktregionen entsende, hätten die Bürger ein Recht auf eine gute Begründung. "Man muss es den Bürgern schon erklären, warum ein kleines Land in Mitteleuropa hundert Soldaten nach Mali schickt." Und zwar so, dass es auch verstanden wird. Feichtinger selbst ist häufiger Gast im TV und in Tageszeitungen, um die Ursachen und Folgen internationaler Konflikte zu erklären.

Neben den Bürgern sollen aber auch Politik, Militärs und Wissenschaft von der Arbeit des IFK profitieren. Wichtige Multiplikatoren sind dabei die rund 200 Jungwissenschafter, die bisher einen Studienaufenthalt am Institut absolvierten und jetzt an anderen Stellen forschen und lehren.