Die SPÖ steht nicht für Parallelverhandlungen zur Verfügung, ist aber bereit, exklusiv mit der ÖVP über die Bildung einer Koalition zu sprechen. Das ist das Ergebnis der Sondierung zwischen den beiden Parteien. Die ÖVP nahm das "positiv" zur Kenntnis, will aber fürs erste noch mit Grünen und Neos sprechen.

Das werde auch länger dauern als mit der SPÖ, erklärte Parteichef Kurz im Anschluss an die dreistündige Besprechung mit der Delegation der Sozialdemokraten. Grüne und Neos seien bisher noch nicht mit der ÖVP in der Regierung gewesen, dazu kenne man sich auch persönlich nicht so gut: "Das wird länger dauern", prophezeite der ÖVP-Obmann mehrere Gesprächsrunden.

SPÖ ist eine der Optionen unter mehreren für Kurz

Das Treffen mit der SPÖ sei atmosphärisch positiv und auch inhaltlich sehr erfreulich verlaufen sei, sagte Kurz. Dennoch wollte er sich nicht festlegen, ob es die Chance eines Comebacks der Koalition mit den Sozialdemokraten gebe. Diese sei eine der Optionen.

Vor Beginn der Sondierung hatte Kurz - in Anspielung auf das schlechte Klima zwischen den beiden langjährigen Koalitionspartnern - zugegeben, dass so etwas immer an beiden Partnern liege und sein Bemühen um eine Verständigung betont: "Unsere Hand ist ausgestreckt, wir meinen es ernst", sagte Kurz.

Rendi-Wagner will Regierungs-, keine Scheinverhandlungen

Sehr entschlossen trat SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner auf. Zwar lobte auch sie ein atmosphärisch positives Gespräch, das eine "selbstreflexive" Analyse der vergangenen Jahre beinhaltet habe. Dennoch stellte sie klar: "Für uns ist mit dem heutigen Gespräch Schluss mit den Sondierungen." Für Scheinverhandlungen oder Verzögerungstaktik stehe die Sozialdemokratie nicht zur Verfügung.

Ohnehin würden SPÖ und ÖVP einander kennen, sowohl persönlich als auch in den Inhalten. Daher wäre es für Rendi-Wagner an der Zeit, in Regierungsverhandlungen einzutreten, wenn das gewünscht sei.

Tiroler SPÖ-Chef düpiert die Rendi-Wagner erneut

Der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer richtet dem sozialdemokratischen Sondierungsteam in einem Gespräch mit der Austria Presseagentur aus, dass seine Partei weiter den Weg einer Regierungsbeteiligung verfolgen solle: "Es ist jetzt auch nicht die Zeit, Ultimaten zu stellen." Er sei der Ansicht: "Mit wem Kurz noch Gespräche führt, ist seine Sache."

Auch wahltaktische Überlegungen in Hinblick auf die Landtagswahlen in der Steiermark, im Burgenland und Wien wären aus seiner Sicht der falsche Weg. Persönliche Befindlichkeiten auf beiden Seiten wären inakzeptabel. Dass man sich heute näher gekommen sei, empfinde er als "sehr erfreulich". Er habe immer gesagt, dass die SPÖ eine staatstragende und keine klassische Oppositionspartei sei.

Parallel dazu müsse die SPÖ "und ihre Spitze" imstande sein, sich von Grund auf zu erneuern, "um eine dynamische, progressive und moderne Partei" mit den richtigen Antworten für das Land in eine vertrauensvolle und zukunftsorientierte Regierungsbeteiligung zu führen. (apa)