Die Bevölkerungsentwicklung in Österreich bis zum Jahr 2050 zeigt, dass die Bevölkerung im Erwerbstätigenalter sinkt. Gleichzeitig werden in Österreich dann 9,7 Millionen Menschen leben, da das Lebensalter steigt. Das zeigt eine vom früheren ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger, nun Generaldirektor des International Center for Migration Policy Development (ICMPD), präsentierte Studie, die er im Auftrag der Industriellenvereinigung (IV) erstellt hat.

"Es braucht erhöhte Teilnahme am Arbeitsmarkt", folgert Spindelegger aus seinen Ergebnissen. Laut Statistik Austria gab es im Jahr 2018 120.800 offene Stellen, der Fachkräfteradar der Wirtschaftskammer ortet einen Bedarf von rund 162.000 Fachkräften in Österreich. Darüber hinaus brauche es mehr qualifizierte Zuwanderung und eine bessere Ausbildung hierzulande. IV-Präsident Georg Kapsch fordert von der nächsten Regierung eine Strategie dafür.

Kapsch: "Mehrwert qualifizierter Zuwanderung erklären"

Als Teil dieser Strategie solle ein eigenes Staatssekretariat für Zuwanderung und Integration geschaffen werden, wie es der ehemalige Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bereits einmal innehatte, sagte IV-Präsident Georg Kapsch am Donnerstag bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Spindelegger.

Darüber hinaus geht es Kapsch um eine Kommunikationsstrategie nach innen und außen: In Österreich müsse man den Menschen die Ängste nehmen und ihnen den Mehrwert qualifizierter Zuwanderung erklären, weil diese nämlich den Wohlstand sichern könne. Nach außen müsse sich Österreich als weltoffenes Land präsentieren, und gleichzeitig klar darlegen, nach welchen Prinzipien hier gelebt werde.

In der Studie ist auch die Rede davon, die Binnenmobilität innerhalb Europas zu erhöhen. Nur vier Prozent der Europäer leben und arbeiten derzeit in einem anderen Land, sagt Kapsch. Während es in einigen Ländern Arbeitskräftemangel gebe hätten andere Länder hohe Arbeitslosigkeit. Wenn dies etwas ausgeglichener wäre könnte die Wirtschaft dort, wo sie sie brauche, mehr Fachkräfte bekommen. Kapsch spricht sich für Partnerschaften mit anderen Ländern inner- und außerhalb der EU aus, um dort gezielt Leute fachlich und sprachlich auszubilden, die dann in Österreich arbeiten könnten. Zudem solle die Rot-Weiß-Rot-Card für die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten zwar nicht abgeschafft, aber das Verfahren gestrafft werden, fordert Kapsch. Diesbezüglich gerate Österreich im Vergleich mit der Schweiz ins Hintertreffen.

Zu Asylwerbern in Lehre hat Kapsch einen klaren Standpunkt: Es sei unsinnig, Menschen hier auszubilden und dann hinauszuwerfen. Das sei abgesehen von der menschlichen Komponente auch eine wirtschaftlich dumme Vorgangsweise, weil man dann von dem in die Ausbildung investierten Geld nichts mehr habe. "Ich war immer ein Befürworter dass Asylwerber, die hier eine Lehre begonnen haben, diese auch fertig machen können." Grundsätzlich sollte man für so einen Fall das Gesetz adaptieren, nicht das Gesetz umgehen, fordert er eine Neuregelung.

Bildungssystem verbessern und Frauenerwerbsquote erhöhen

Doch auch in Österreich müsse viel getan werden: Die Jugendarbeitslosigkeit sei primär auf ein Versagen des Bildungssystems zurückzuführen, geht der IV-Chef mit dem heimischen Schulsystem hart ins Gericht. Die Wirtschaft übernehme hier zunehmend Aufgaben bei der Ausbildung der Jugendlichen, die das Bildungssystem nicht bewältigt habe. Weiters solle die Erwerbsquote der Frauen erhöht und möglichst viele Frauen zur Technik gebracht werden.

Angesprochen auf seine Wünsche für die Koalitionsverhandlungen meinte Kapsch, er werde jetzt keine Koalitionsaussage treffen, "aber es muss eine Variante sein, die genau diese Themen unterstützt". Natürlich sei er nicht so blauäugig um zu erwarten, dass die IV-Forderungen zu 100 Prozent umgesetzt werden. (apa)