Die Mehrzahl der österreichischen Pflichtschullehrer schätzt es, zu unterrichten. Gleichzeitig sind immer mehr von ihnen im Job hoch belastet,  wie eine Studie der Arge Burnout im Auftrag der Pflichtschullehrergewerkschaft zeigt. Demnach fällt jeder siebente Lehrer in jene Risikogruppe, die wegen anhaltend hoher Belastung Symptome wie bei einer schweren Depression zeigt.

Bei 45 Prozent der Lehrer von Volks-, Neuen Mittel-, Sonder- und Polytechnischen Schulen ist laut der zum dritten Mal durchgeführten Befragung (rund 7200 Teilnehmer) die berufliche Belastung auf normalem Niveau. Ein Viertel ist "belastet" und zeigt Anzeichen einer vorübergehenden Erschöpfung, knapp 16 Prozent sind "überlastet" und leiden bereits an Selbstzweifeln und der Unfähigkeit sich zu entspannen.

Die Größe der Risikogruppe ist im Vergleich zur ersten Erhebung 2010 um vier Prozentpunkte auf 14 Prozent gewachsen. Für Studienautor Erich Hotter ist das "ein ziemlich alarmierender Befund" und unter den von der Arge Burnout bisher untersuchten Berufsgruppen "der bei weitem höchste Wert". "Der Lehrberuf ist - das kann man sicher sagen - gesundheitlich einer der riskantesten." Besonders oft in die Risikogruppe fallen Männer, ältere Lehrer sowie Lehrer in Städten und an NMS.

Am häufigsten belastet fühlen sich Lehrer der Studie zufolge durch als sinnlos empfundene Bürokratie, wie Testungen und Evaluierungen ohne nachvollziehbaren Zweck sowie Dokumentationen, die Zeit für die Arbeit mit den Schülern abziehen. Dahinter folgen "Medien", durch die sich die Lehrerinnen und Lehrer laut Studienautor Hotter ungerecht behandelt und pauschal verurteilt fühlen. Ebenfalls oft genannt werden Aggressionen, laut vertiefender Auswertung fühlt sich mehr als die Hälfte der Lehrer ständig bzw. häufig belastet durch Aggressionen zwischen Schülern, vor allem an Sonder- und Polytechnischen- und Volksschulen. Immerhin jeder fünfte Lehrer gab an, ständig bzw. häufig durch Aggressionen gegen Lehrer belastet zu sein.

Sinnlos erlebte administrative Aufgaben

Romana Deckenbacher, Vize-Vorsitzende der GÖD fordert angesichts dieser Ergebnisse ein flächendeckendes und professionelles Supportsystem. Außerdem brauche es mehr Fortbildungen zum Umgang mit Gewalt und mehr Sanktionsmöglichkeiten bei Grenzüberschreitungen von Schülern. Paul Kimberger (FCG), Vorsitzender der Pflichtschullehrergewerkschaft, plädierte auch für die von der vergangenen ÖVP-FPÖ-Regierung geplanten "Timeoutgruppen", um Schülerinnen und Schüler zu schützen vor "einigen wenigen, die ständig Terror verbreiten".

Gesondert untersucht wurde die Situation der Schulleiter. Laut Kimberger wird es nämlich bundesweit immer schwieriger, Kandidaten für diesen Job zu finden. Laut der Studie würde ein Viertel der Direktoren nicht noch einmal einer Berufung folgen, als Hauptgrund wird die Frustration über als sinnlos erlebte administrative Aufgaben genannt. Weitere Gründe sind das Fehlen von an Pflichtschulen nur in seltensten Fällen vorhandenen Sekretariatskräften und Unterstützungspersonal wie Schulsozialarbeitern und -Psychologen, unkooperative Eltern und zunehmender Druck.

Belastend ist laut der Erhebung auch die Arbeitsplatzsituation der Lehrer, mehr als 60 Prozent erledigen alle Arbeiten abseits des Unterrichts daheim. Mehr als 60 Prozent der Lehrer setzen zudem häufig oder ständig ihre persönlichen Geräte im Unterricht ein und 58 Prozent bezahlen häufig oder ständig Unterrichtsmittel aus eigener Tasche.