Kurz nach 12.30 Uhr wird im Großen Redoutensaal am kommenden Mittwoch erst die Bundeshymne, dann Ludwig van Beethovens "Ode an die Freude", also die Europahymne, zu hören sein. Denn dann treten die 183 neuen Abgeordneten zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen und werden im feierlichen Rahmen angelobt.

Es sind dem Wahlergebnis gemäß 71 Abgeordnete von der ÖVP, 40 von der SPÖ, 26 Grüne und 15 von den Neos. Auch wenn die FPÖ bei den Wahlen 31 Mandate für sich verbuchen konnte, werden von den Freiheitlichen nur 30 sicher vertreten sein. Bekanntlich steht noch nicht fest, ob Philippa Strache als "wilde" Abgeordnete ihr Mandat annimmt. Verzichtet sie darauf, rückt Markus Tschank über die Wiener Landesliste an ihrer Stelle nach. Ob mit oder ohne Strache - es ist der Auftakt der XXVII. Gesetzgebungsperiode, die spätestens nach fünf Jahren endet.

53 Abgeordnete sind zum ersten Mal im Nationalrat

Noch steht nicht fest, wer konkret auf welchem Stuhl künftig im Plenarsaal Platz nimmt. In der Präsidiale vereinbart ist aber, welche Stühle für Abgeordnete welcher Partei reserviert sind. Schweift der Blick von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein von links nach rechts ins Plenum, sieht sie erst die Abgeordneten der SPÖ, dann die Grünen und Neos. Nach jenen der FPÖ folgen ganz rechts jene der ÖVP. Bierlein wird dabei in viele bekannte Gesichter blicken: Denn nur 53 von 183 Abgeordneten, also 29 Prozent sind zum ersten Mal Abgeordnete zum Nationalrat. Die meisten neuen, ganze 23, sind es bei den Grünen: Nur Werner Kogler und Sigrid Maurer waren vor 2017 bereits grüne Nationalratsabgeordnete, Alma Zadić bei der Liste Jetzt. Die FPÖ setzt dagegen auf bewährte Abgeordnete, mit Michael Schnedlitz aus Niederösterreich und Rosa Ecker aus Oberösterreich gibt es unter den 30 nur zwei neue Abgeordnete.

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Ein Männerüberhang - und einer von Christians und Petras

Die erste weibliche Bundeskanzlerin wird außerdem auf eine deutlich männlichere Volksvertretung blicken. Denn von den 183 Abgeordneten sind nur 39 Prozent weiblich - wobei sie links im Plenum mehr Frauen sehen wird als in der rechten Hälfte: Während die Grünen mit 57,7 Prozent einen deutlichen Frauenüberhang haben und es bei der SPÖ 47,5 sind, konnten über die Listen der Neos 40 Prozent, die der ÖVP nur 36,6 Prozent und jene der FPÖ gar nur 17 Prozent Frauen in den Nationalrat einziehen. Das werden die Parlamentsklubs künftig auch finanziell spüren: Denn im Sommer wurde ein Gesetz beschlossen, wonach es drei Prozent Bonus für Klubs mit mehr als 40 Prozent Frauenanteil gibt. SPÖ und Grüne profitieren davon.