Übrigens: Sollte Bundeskanzlerin Bierlein "Christian" ins Plenum rufen, könnten sich Christian Drobits von der SPÖ und Christian Stocker von der ÖVP sowie gleich vier Abgeordnete der FPÖ angesprochen fühlen, denn diesen Vornamen gibt es insgesamt sechs Mal unter den Abgeordneten. Unter den Frauen haben die Petras Oberhand, hier gibt es gleich vier bei der SPÖ und mit Petra Steger eine bei der FPÖ.

Wofür ist der Nationalrat in einer Demokratie zuständig

Die 183 Abgeordneten des Nationalrats sind gemeinsam mit der zweiten Kammer des Parlaments, dem Bundesrat mit 61 Mitgliedern, für Beschlüsse von Bundesgesetzen zuständig. Gesetzesinitiativen können von Abgeordneten als Initiativanträge und über die Ausschüsse des Nationalrates eingebracht werden, häufig aber handelt es sich um Regierungsvorlagen. Sie wirken an der Vollziehung der Gesetze mit, müssen zum Beispiel bei Staatsverträgen zustimmen.

Darüber hinaus hat der Nationalrat Kontrollrechte: zum Beispiel das Interpellationsrecht, das Recht, Antworten auf schriftliche, mündliche und dringliche Anfragen zu erhalten. Außerdem gibt es ein Resolutionsrecht, damit können die Abgeordneten über Entschließungsanträge von der Regierung Entscheidungen verlangen. Das Enqueterecht ist dazu da, um Untersuchungsausschüsse, wie etwa jenen zuletzt zum BVT einzusetzen, außerdem haben die Abgeordneten das Recht, Gesetze beim Verfassungsgerichtshof anzufechten. Sie können außerdem Prüfungen des Bundeshaushalts, von öffentlichen Institutionen und Unternehmen vom Rechnungshof verlangen.

Der Nationalrat kann außerdem auch ein Misstrauensvotum gegen einzelne Mitglieder oder die gesamte
Bundesregierung aussprechen. Das ist bekanntermaßen Ende Mai gegen die Regierung Sebastian Kurz' passiert, weshalb bis zur Findung einer neuen Regierung erstmals eine für den Übergang eingesetzt wurde.

Nach der Angelobung geht es um die das neue Präsidium

Den Vorsitz im Nationalrat hat das Präsidium, rein rechtlich kann jeder der 183 Abgeordneten dafür gewählt werden. Praxis ist aber, dass die drei mandatsstärksten Parteien jeweils einen Kandidaten nominieren. Für das Amt des Ersten Nationalratspräsidenten bewirbt sich Wolfgang Sobotka von der ÖVP, Zweite dürfte Doris Bures von der SPÖ werden, für den Dritten Platz stellt sich Norbert Hofer der Wahl am 23. Oktober.

Diese Wahlen werden traditionell geheim in Wahlkabinen durchgeführt, davor gibt es eine Debatte. Bis zur Wahl desoder der Neuen leitet der "alte" Präsident, also Wolfgang Sobotka, die Sitzung. Er wäre eine große Überraschung, sollte er nicht der Usance des Parlaments entsprechend auch der neue Erste Nationalratspräsident werden. Das Präsidium sorgt dafür, dass die Abläufe im Parlament korrekt sind und vertritt auch den Bundespräsidenten - insbesondere dann, wenn dieser längere Zeit verhindert sein sollte. Gemeinsam mit den Klubobleuten bildet es die Präsidialkonferenz, die die Abläufe für den Nationalrat vorgibt.