Eine mutmaßliche Intrige innerhalb der SPÖ hat am Samstag für große Aufregung im roten Lager gesorgt. Im Zentrum steht Max Lercher, der nach der Nationalratswahl, und gestärkt durch einen persönlich erfolgreichen Wahlkampf mit mehr als 11.000 Vorzugsstimmen, einen Neustart der SPÖ gefordert und die Parteiführung kritisiert hat.

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Österreich" am Samstag über einen angeblichen 20.000-Euro-Beratervertrag zwischen der SPÖ und Lercher, der seit Februar bei der zur steirischen SPÖ gehörenden Leykam Media AG arbeitet, meldete sich Lercher via Facebook zu Wort. Er schrieb von einer "Grenzüberschreitung" und erklärte, dass er als Geschäftsführer 6000 Euro brutto erhalte. Er habe in dieser Funktion einen Vertrag zwischen Leykam und der SPÖ abgeschlossen. Sein Gehalt "gab es vor dem Leistungsvertrag mit der SPÖ, und es hat sich auch danach um keinen Cent geändert." Auch die SPÖ bestätigte, dass der Vertrag zwischen der Partei und dem Unternehmen für diverse Leistungen geschlossen wurde.

Lercher, der bis zur Kür von Pamela Rendi-Wagner Bundesgeschäftsführer war, glaubt, dass die Geschichte lanciert wurde, um ihm zu schaden: "Es geht darum, mich als Person zu beschädigen. Aber das wird so nicht gelingen. Ich werde weiter sagen, was zu sagen ist." Lercher würde auch gerne die Vertragsdetails bekannt geben: "Ich bin gerne bereit, wenn ich von der Verschwiegenheit entbunden werde, dass ich den Vertrag öffentlich mache. Das müsste die Löwelstraße nur tun", betont Lercher. Die SP-Zentrale will aber keine Details nennen: "Über Vertragsinhalte geben wir grundsätzlich keine Auskunft."

Bemerkenswert ist, dass selbst SPÖ-Abgeordnete auf Twitter eine Intrige innerhalb der Parteizentrale ausmachten. " Als Parteiführung sollte man Ruhe in aufgeladene Stimmungen bringen und nicht selbst noch zündeln und das Fass zum Überlaufen bringen. Das disqualifiziert alle, die an diesem Foul an Max Lercher aus der Löwelstrasse beteiligt sind. Unwürdig für eine Sozialdemokratie", schrieb der niederösterreichische Nationalrats-Abgeordnete Andreas Kollross. Und auch der Traiskirchner Bürgermeister Andreas Babler meldete sich auf dem Kurznachrichtendienst zu Wort: "Wer glaubt, mit solch brutalen Methoden gegen Menschen wie Max vorgehen zu können, die mit uns leidenschaftlich um eine Zukunft für die SPÖ kämpfen, wird merken, dass dieses "Überleichengehen" zum Bumerang gegen sie selbst wird."

Am Nachmittag meldete sich ein Mitglied des Parteivorstandes auf Facebook. Claudia O'Brian, sie ist Bundesvorsitzende der Jungen Generation, schrieb in einem Posting, dass Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch "angebliche Fakten" präsentierte, die "wir heute auf OE24 nachlesen konnten". Da es sich dabei um falsche Tatsachen handle und "ich davon ausgehe, dass unserem BGF (Bundesgeschäftsführer, Anm.) der Unterschied zwischen einem Berater- und einem Leistungsvertrag bekannt ist, kann es sich nur um eine bewusste Falschdarstellung gegenüber den Mitgliedern des Bundesvorstandes handeln." O'Brian erwartet sich eine Klarstellung der Parteispitze, schrieb sie.