Irmgard Griss - © apa/Robert Jäger
Irmgard Griss - © apa/Robert Jäger

Mit Irmgard Griss (73, Neos) scheidet die derzeit älteste Abgeordnete aus dem Nationalrat. Auch sie trat nicht mehr zur Wahl an. Die frühere OGH-Präsidentin und erfolgreiche Präsidentschaftskandidatin - sie schaffte 2016 als parteifreie Kandidatin 18,9 Prozent - ging 2017 mit Neos eine "Allianz für Freiheit und Verantwortung" ein.

Sie hat zwei geteilte Erfahrungen aus ihrer Zeit im Parlament mitgenommen. Im Klub habe es sehr gute Diskussionen gegeben, hingegen seien die Debatten im Plenum "für die Meinungsbildung in den meisten Fällen verlorene Zeit". Sehr enttäuscht habe sie, dass die Regierungsparteien vieles einfach durchdrücken, ohne Kritik aus den Begutachtungsverfahren zu beachten.

Die Beamtenregierung hat die Stimmung dann stark verändert und die Debatten versachlicht, "das war befreiend". Nicht so gut gefallen haben ihr in dieser Zeit Entscheidungen, die große finanzielle Belastungen mit sich bringen. Die Valorisierung des Pflegegeldes sieht sie allerdings als in der Sache berechtigt.

In die Politik war Griss gegangen, um selbst kennenzulernen, "welchen Beitrag die Politik leisten kann für das gute Zusammenleben in einer Gesellschaft". In Zukunft wolle sie mit ihrer Unterstützung der Neos-Parteiakademie und auch mit ihrem Podcast weiter dazu beitragen, in der Bevölkerung Diskussionen zu wichtigen Themen anzustoßen.

Hannes Jarolim - © apa/Pfarrhofer
Hannes Jarolim - © apa/Pfarrhofer

Auch für den SPÖ-Abgeordneten Hannes Jarolim (65) war bereits im Vorfeld klar, dass er dem neuen Nationalrat nicht mehr angehört. Nach rund 25 Jahren sei es nun an der Zeit, jungen Abgeordneten Platz zu machen. Er will sich nun voll und ganz der Führung seiner Anwaltskanzlei widmen. Außerdem hat er auch noch ein "Ausgleiten" aus der Politik in seiner Funktion als Bezirksparteivorsitzender in der Leopoldstadt.

In seiner Zeit im Parlament war die SPÖ in der Regierung und auch in Opposition. Wie gut der Nationalrat seiner Aufgabe als Volksvertretung nachkommt, hängt für Jarolim stark vom Selbstverständnis der Abgeordneten ab, "ob man einfach nach Parteilinie abstimmt oder man bereit ist, sich einem Konflikt zu stellen". Abhängig ist das Parlament auch von der Regierung: die Regierung Kurz sei geprägt gewesen von der "Message Control". Im Gegensatz dazu sei die derzeitige Regierung ein "Musterbeispiel dafür, wie die Kooperation zwischen Regierung und Parlament funktionieren kann".

In die Politik war er gegangen, weil er ein großer Kämpfer gegen Unrecht sei. Als einen seiner größten Erfolge nennt Jarolim die Einführung der Diversion im Strafrecht im Jahr 1999.