Philippa Strache nimmt ihr Nationalratsmandat an. Sie wird damit von Beginn an "wilde" Abgeordnete, da die FPÖ angekündigt hat, sie nicht in ihren Klub aufzunehmen. Sie wolle ihr Nationalratsmandat "mit größtmöglichem Einsatz gewissenhaft" wahrnehmen, erklärte Strache in einer Aussendung.

Mit ihrer Entscheidung stürzt Strache die Freiheitlichen in neue Schwierigkeiten. Unmittelbar betroffen sind die Parteifinanzen. Die FPÖ verliert 52.000 Euro an Klubförderung, weil die Blauen ohne die fraktionslose Mandatarin nur 30 statt 31 Abgeordnete im Nationalrat, der am Mittwoch zur konstituierenden Sitzung zusammentritt, haben.

Zu den finanziellen Einbußen kommt für die FPÖ ein weiteres Dilemma. Mit dem Einzug der Ehefrau von Ex-FPÖ-Chef und Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache bleibt auch die Spesenaffäre als Thema stärker im Vordergrund. Dabei wollten sich die Freiheitlichen davon möglichst schnell distanzieren.

Das politische Ungemach für die FPÖ ist damit aber noch nicht beendet. Denn es bleibt weiter die Ungewissheit, ob Ex-FPÖ-Chef Strache ebenfalls eine politische Rückkehr plant und eventuell als Konkurrent der Blauen bei der Wiener Gemeinderatswahl im kommenden Jahr antritt.

FPÖ zeigt sich vorerst gelassen

Offiziell nahm die FPÖ die Entscheidung von Philippa Strache "zur Kenntnis". Man habe damit gerechnet. Wie mit ihr weiter umgegangen wird, blieb vor der FPÖ-Klubsitzung am Dienstagabend unklar. Möglich ist eine Suspendierung oder auch ein Parteiausschluss. Zu den möglichen politischen Auswirkungen gab man sich nach außen betont gelassen: "Es wird auf die Politik der FPÖ keinen Einfluss haben."

FPÖ-Chef Norbert Hofer ging am Montagabend aber nicht davon aus, dass Strache nach der Annahme ihres Nationalratsmandates FPÖ-Mitglied bleibt. Dies sei sie ohnehin erst seit etwa "sechs, sieben Wochen", sagte er vor der Klubsitzung der Freiheitlichen. Über einen Parteiausschluss entscheiden müsse aber ohnehin die Wiener Landesgruppe, so Hofer.

Philippa Strache nahm am Dienstag gleich die FPÖ ins Visier. Die Entscheidung sei "frei und unabhängig" getroffen worden, teilte sie in einer schriftlichen Erklärung mit. Aber: "Verleumdungen", Diskussionen über ihre Person, auch durch "ehemalige Parteifreunde", seien "kränkend", "verletzend" und "schlichtweg verwerflich" gewesen.

Nicht näher eingehen wollte sie auf den "bedenklichen Umstand", dass "Spitzenfunktionäre" der FPÖ trotz ihrer Kandidatur auf der Wahlliste, "meiner aufrechten Mitgliedschaft in der ‚freiheitlichen Familie‘ und meiner unwiderlegten Unbescholtenheit" zuletzt ausgeschlossen haben, sie in den FPÖ-Klub aufzunehmen. Sie sei überzeugt, dass die "Diffamierungskampagne" mit "Niedertracht inszeniert wurde".

Hofer konterte: Man habe im gesamten Wahlkampf kein einziges Wort über Strache oder über ihren Ehemann Heinz-Christian Strache gesagt. Dass die beiden eine eigene Partei gründen können, sieht der FPÖ-Chef gelassen. Jedem stehe dies frei, solange die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien.

Keine Premiere

Philippa Straches Einzug als "wilde" Abgeordnete ist zwar höchst außergewöhnlich, um eine Premiere handelt es sich allerdings nicht.

Nach der Nationalratswahl im Jahr 2013 begann die ehemalige ORF-Generaldirektorin Monika Lindner ihre kurze Abgeordnetenzeit als "wilde" Mandatarin. Der Grund dafür war, dass sie sich nur zwei Tage nach der Bekanntgabe ihrer Kandidatur für das Team Stronach mit der Partei überworfen hatte. Für eine Rücknahme ihrer Kandidatur war es da allerdings schon zu spät. Lindner blieb dann rund ein Monat als Unabhängige im Nationalrat, ehe sie ihr Mandat zurücklegte.

"Abgeordnete ohne Klubzugehörigkeit" gab es im Hohen Haus immer wieder. Die Parlamentshomepage listet 61 auf, darunter frühere SPÖ-Abgeordnete wie Ex-Gewerkschaftschef Franz Olah, Grüne wie Josef Buchner, ehemalige ÖVP-Mandatare wie Marcus Franz und Efgani Dönmez und Freiheitliche wie Walter Meischberger. Zuletzt trat Alma Zadic aus dem Klub der Liste Jetzt aus und dockte für die Neuwahl bei den Grünen an, für die sie ins Hohe Haus einzieht. (apa/red)