Am Dienstagnachmittag konstituierten sich fast alle Klubs der Parlamentsparteien. Mit Spannung wurde die Sitzung der Sozialdemokraten erwartet, bei der Parteichefin Pamela Rendi-Wagner wieder zur Klubchefin gekürt und Doris Bures als Zweite Nationalratspräsidentin nominiert werden sollte. Aber wie so oft in der jüngeren Parteigeschichte wurde die SPÖ von internen Querelen geplagt.

Das Boulevardblatt "Österreich" brachte den ehemaligen Bundesgeschäftsführer und jetzigen Nationalratsabgeordneten Max Lercher am vergangenen Samstag mit einem Beraterhonorar von 20.000 Euro pro Monat in Verbindung. Lercher ortete eine Intrige aus der eigenen Partei. Seither wird innerparteilich mit Schuldzuweisungen herumgeworfen. Rendi-Wagner war seither darum bemüht, wieder Ruhe in die Partei zu bringen. So ganz gelang ihr das aber nicht.

Beim Klubwahlergebnis kam Rendi-Wagner aber mit einem blauen Auge davon. Das Votum lag schlussendlich bei 88,2 Prozent. Von 51 anwesenden Mandataren stimmten somit sechs gegen sie. Doris Bures wurde mit einer Gegenstimme als Zweite Nationalratspräsidentin nominiert.

Rendi-Wagner nannte das Ergebnis in einer Pressekonferenz eine "klare Mehrheit". Sehr froh ist Rendi-Wagner, dass ihr Jörg Leichtfried als nunmehr erster Stellvertreter zur Seite steht und im Klub die politische Koordination übernehmen soll.

Die Grünen kehren am Mittwoch mit 26 Abgeordneten, so stark wie noch nie, in den Nationalrat zurück. Sie wählten Werner Kogler am Dienstag einstimmig zum Klubchef. Sigrid Maurer wurde zur Vize-Klubchefin und geschäftsführenden Parlamentarierin gekürt.

Keine Überraschung bei der ÖVP

Ob Maurer für Kogler nachrücken wird, sollte es zu einer grünen Regierungsbeteiligung kommen und Kogler Minister werden, ließ der Steirer offen. Dies würde der Klub samt den dann nachrückenden Mitgliedern entscheiden. Ohnehin sei dies alles spekulativ. Gefragt, wie lange er Klubchef bleiben wolle, meinte Kogler: "Ich hoffe doch eine Zeit lang." Am Freitag gehen die Sondierungsgespräche der Grünen mit der ÖVP weiter.

Weitere Stellvertreterinnen des Grünen Klubs sind Leonore Gewessler und Ewa Ernst-Dziedzic. Weitere Mitglieder der grünen Klubleitung wurden Astrid Rössler, Olga Voglauer und Jakob Schwarz. Klubgeschäftsdirektor wurde Wolfgang Niklfeld.

Wie erwartet keine Überraschungen ereigneten sich bei der ÖVP. Laut ihrem Chef Sebastian Kurz gab es aufgrund des erfolgreichen Wahlergebnisses auch keinen Grund, die Spitzen des Nationalratsteams zu verändern. Wie schon bei der vergangenen Wahl wird Kurz demnach für die Zeit der Regierungsbildung das Amt des Klubobmanns übernehmen. Sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind und Kurz ins Kanzleramt übersiedelt, übernimmt Stellvertreter August Wöginger den Klubobmann-Posten. Wolfgang Sobotka wurde als Nationalratspräsident nominiert.

In der Sitzung wurden sieben weitere Klubobmann-Stellvertreter gewählt: Peter Haubner, Georg Strasser, Michael Hammer, Elisabeth Köstinger, Angelika Winzig, Gabriela Schwarz und Karl Bader. Alle Entscheidungen erfolgten laut Parteiangaben einstimmig.

Kickl einstimmig gewählt

Die FPÖ hat in ihrer konstituierenden Klubsitzung am Dienstag Herbert Kickl einstimmig zum Obmann ihres Parlamentsklubs gewählt. Ebenso einstimmig wurde FPÖ-Chef Norbert Hofer als Kandidat für das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten nominiert, gab die Partei am Dienstagabend via Aussendung bekannt.

Klubobmann-Stellvertreter sind laut den Beschlüssen die Abgeordneten Dagmar Belakowitsch, Susanne Fürst, Hannes Amesbauer, Erwin Angerer und Peter Wurm. Als weitere Mitglieder ins Klubpräsidium gewählt wurden Generalsekretär Christian Hafenecker, die Abgeordneten Reinhard Bösch, Volker Reifenberger, Gerhard Kaniak sowie Axel Kassegger. Wie bisher gehören dem Klubpräsidium auch Generalsekretär Harald Vilimsky als freiheitlicher EU-Delegationsleiter und Monika Mühlwerth als FPÖ-Fraktionsvorsitzende im Bundesrat an. Kaniak wurde außerdem zum neuen Finanzreferenten bestellt.

Die Neos-Abgeordneten treffen am Mittwoch zusammen. (apa)