Es ist auch ein Grund, weshalb sich international die Richtung klar hin zur Liberalisierung bewegt. Rund die Hälfte der Staaten weltweit toleriert Doppelstaatsbürgerschaften. Wie viele solche Bürgerinnen und Bürger in der EU leben, ist allerdings nicht erfasst. Nur 32 Länder weltweit akzeptieren Mehrstaatigkeit nicht oder nur in wenigen Ausnahmen. Auch Österreich ist darunter.

Oft sind es politische Gründe, die dazu führen, dass sich ein Land öffnet. So hat etwa Ungarn der ungarischen Minderheit in der Slowakei die Staatsbürgerschaft angeboten - was allerdings auch zu Verwerfungen zwischen den zwei Ländern geführt hat. Dass die slowakischen Ungarn in großer Zahl Anhänger von Viktor Orban sind, hat bei der damaligen Entscheidung der Regierung vermutlich eine Rolle gespielt.

In Österreich hat sich die verwichene Regierung dem Thema nur in einer Hinsicht angenommen: der Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler. Das hat gleich für gewisse Verstimmungen zwischen Österreich und Italien gesorgt, Türkis-Blau hat das Unterfangen dann auch nicht wirklich weiterverfolgt. Dass bei diesem Vorstoß primär innenpolitische Ziele verfolgt wurden, kann angesichts der Erkenntnisse eines Forschungsprojekts unter anderem von Günther Pallaver der Uni Innsbruck und Max Haller der Uni Graz angenommen werden. Demnach hält nur ein Viertel der befragten Südtiroler diese Möglichkeit für eine gute oder gar sehr gute Idee, die Mehrheit lehnt es ab. Die Zustimmungsraten liegen bei deutschen und italienischen Südtirolern gar nicht so weit auseinander, nur die völlige Ablehnung ist bei italienischen Südtirolern deutlich stärker ausgeprägt. Interessant ist, dass die einzelnen Bevölkerungsgruppen die Auswirkungen auf das Zusammenleben relativ ähnlich bewerten, wobei zwischen 35 und 41 Prozent negative Auswirkungen befürchten.

Auch bei den Auslandsösterreichern scheint sich rechtlich wenig zu bewegen. Österreich ist nicht zuletzt deshalb ablehnend gegenüber einer Doppelstaatsbürgerschaft für Auslandsösterreicher, da man sonst kaum argumentieren kann, warum hier lebende türkischstämmige Österreicher nicht auch die Staatsbürgerschaft ihres Herkunftslandes haben sollten. Österreich hat vielmehr den Zugang zur Staatsbürgerschaft zunehmend weiter eingeschränkt.

Einen Punkt des Vertrags von 1963 hat Österreich allerdings auch damals nur unter Vorbehalt akzeptiert, nämlich Artikel 3. In diesem verpflichten sich die Staaten, im Fall einer Zurücklegung der Staatsbürgerschaft, keine Gebühren zu verlangen.•