Es geht um das blanke Überleben. So jedenfalls lautet der Befund sämtlicher Militärs zum Zustand des Österreichischen Bundesheers - von Verteidigungsminister Thomas Starlinger abwärts. Das Bundesheer sei "weit davon entfernt, seine in der Bundesverfassung festgelegten Aufgaben noch erfüllen zu können", sagte er zum Beispiel. Aus diesem Grund wollte er auch die traditionelle Leistungsschau des Bundesheeres am Nationalfeiertag absagen. Er scheiterte mit diesem Vorhaben an der Politik. Die Leistungsschau am Heldenplatz findet nun in abgespeckter Form statt, Starlinger wiederholte bei deren Präsentation am Donnerstag seine Warnung: "Wir sind derzeit nicht in der Lage, Österreich ordentlich zu schützen." Das hänge vor allem damit zusammen, dass die Miliz nicht entsprechend ausgerüstet und ausgebildet sei.

Das Österreichische Bundesheer verfügt über eine Mobilmachungsstärke von 55.000 Mann. Es gibt 16.400 (Stand 1. Oktober 2019) Berufssoldaten: Davon sind 2800 Offiziere, 9600 Unteroffiziere und rund 3900 Chargen. Die Miliz zählt rund 31.600 Soldaten (Stand 1. September 2019). Darüber hinaus sind beim Bundesheer rund 8000 Zivilbedienstete beschäftigt. Das sind zum Beispiel Handwerker und Ärzte.

Auslandseinsätze wie jener in Mali mit 46 Soldaten könnten gestrichen werden. - © Bundesheer/Gunter Pusch
Auslandseinsätze wie jener in Mali mit 46 Soldaten könnten gestrichen werden. - © Bundesheer/Gunter Pusch

In den vergangenen Jahren sind durchschnittlich 17.000 Grundwehrdiener jährlich eingerückt, 14.000 haben einen Zivildienst angetreten.

Insgesamt sind 1285 österreichische Soldaten im Ausland stationiert.

Die "Wiener Zeitung" traf Starlingers Vorgänger als Minister, Generalleutnant Johann Luif, zu einem Gespräch über den Zustand des Bundesheers und die Folgen, sollte der Finanzrahmen nicht erhöht werden.

"Wiener Zeitung": Verteidigungsminister Starlinger wollte heuer die Leistungsschau des Bundesheers absagen. Auch andere Militärs zweifeln an der Sinnhaftigkeit dieser Übung, zumal den Menschen dort Gerät gezeigt würde, das gar nicht einmal mehr ausreichend in einsatzfähigem Zustand vorhanden sei. Ist das so?

Johann Luif: Es ist grundsätzlich so, dass es beim Bundesheer von nichts etwas ausreichend gibt. Weil wir in weiten Bereichen Systeme betreiben, die wir noch in den 1980er Jahren beschafft haben. Diese Systeme laufen mit der Zeit jetzt aus. Ein Panzer, der vor 30 Jahren gekauft wurde, ist auf dem damaligen Standard stehen geblieben. Das Upgraden solcher Systeme ist extrem teuer. Und wenn man, so wie wir, den einen oder anderen Sprung verpasst hat, dann muss man jetzt neues Gerät anschaffen. Das, was es früher am Heldenplatz zu sehen gab - heuer ist kein Großgerät dort -, das war der Durchschnitt des Österreichischen Bundesheers. Das, was diese Geräte konnten, konnten die anderen auch.