Es mangelt aber an der personellen Einsatzbereitschaft, weil Voraussetzungen dazu fehlen. Um eine solche Einsatzbereitschaft nämlich sieben Tage die Woche, 24 Stunden pro Tag gewährleisten zu können, braucht es für bestimmte Systeme doppelte Besatzungen. Das bedeutet doppeltes Flugstundenleistungsvermögen bei der Luftwaffe. Aber dafür fehlt das Geld, fehlen technische Voraussetzungen, fehlen die Ersatzteillager, fehlt Treibstoff. Ein Pilot, der nicht zumindest 100 Stunden im Jahr fliegt, ist kein Einsatzpilot. Wir können uns nicht mehr als einen Piloten pro Abfangjäger - also 15 - leisten.

Parallel dazu fliegt die Saab 105?

Ja, das ist die Einstiegsdroge für den Jet-Piloten. Ein Pilot muss ja die Grundfertigkeiten erlernen, ehe er in ein Düsenflugzeug steigt. Das machen wir noch auf der Saab 105, die aber schon 50 Jahre alt ist. Wir kaufen aber auch Flugstunden im Ausland zu - in Deutschland und Italien -, weil wir sie selbst nicht mehr produzieren können.

Sie sagen, die Saab 105 ist bereits 50 Jahre alt. Hätte man mit der Beschaffung für den Saab-Ersatz nicht schon beginnen müssen, zumal ein solcher Vorgang ja mehrere Jahre dauert?

Die Flotte wird 2020 stillgelegt. Da können einige Maschinen noch in Betrieb bleiben. Das Problem ist, dass wir jetzt nur eine Übergangsregierung haben und größere Beschaffungsvorhaben auch vom Hauptausschuss des Nationalrats abgesegnet werden müssen. Wir behelfen uns damit, dass wir mit ausländischen Armeen zusammenarbeiten.

Auch bei der Sicherheitsschule in Wiener Neustadt, die der Verteidigungsminister erst gar nicht starten wollte, musste er klein beigeben, weil sich die Parteien im freien Spiel der Kräfte alle für den Start der Schule - mit 48 Schülern - ausgesprochen haben. Wie sinnvoll ist diese Schule überhaupt?

Die Schule macht auf der einen Seite Sinn - sie ist, wenn man so will, Teil der geistigen Landesverteidigung. Praktisch brauchen wir diese Schule nicht, weil die Anforderungen an den Offiziersnachwuchs derzeit leicht erfüllt werden durch die freiwilligen Meldungen. Die Schule kostet mindestens 30 Millionen Euro plus Betriebskosten von 1 Million Euro. Daher hat der Minister gesagt, von uns aus wird die Schule nicht kommen. Das wurde anders bestimmt, der Finanzminister hat Mittel zugesagt.

Ist schon Geld geflossen?

Nein, das soll Teil der nächsten Budgetverhandlungen sein. Das Problem ist aber, dass Sonderbudgets meist einfach eingepreist werden. Ein erheblicher Teil des Budgets sind Ermessensausgaben. In Budgetnöten ist man geneigt, diese Ermessensausgaben dann zu verringern.

Realistisch betrachtet, wird das Bundesheer die im Heereszustandsbericht vom September geforderten 16,2 Milliarden Euro bis 2030 nicht bekommen. Eine österreichische Lösung könnte sein, dass das Heeresbudget von 2,2 Milliarden auf möglicherweise 2,5 oder 2,6 Milliarden Euro erhöht wird. Was passiert, wenn das Heer die geforderten 16,2 Milliarden nicht erhält?

Die Verantwortlichen in unserem Staat haben dann kein Mittel mehr, um auf eine Krisensituation reagieren zu können. Wenn wir die 16,2 Milliarden nicht bekommen, werden wir Abstriche machen müssen. Diese bräuchten wir, um die 55.000 Soldaten, die uns als Mobilmachungsrahmen vorgegeben sind, ordentlich ausrüsten zu können. Und mit 55.000 Soldaten kann man einer intensiven Bedrohung nicht einmal entgegentreten. Die Szenarien heute zeigen, dass Bedrohungen erstens schnell und unvorbereitet kommen und zweitens eine lange Dauer haben.