Mit dem Nationalfeiertag feiert Österreich die "immerwährende Neutralität", die der Nationalrat am 26. Oktober 1955 beschlossen hat. Die traditionellen Kranzniederlegungen zum Nationalfeiertag fanden am Samstag bei bestem Herbstwetter statt. Zu Beginn schritt Van der Bellen begleitet von Verteidigungsminister Thomas Starlinger zur Weihehalle im Äußeren Burgtor. Am Ehrendenkmal für verunglückte und gefallene Soldaten legten sie im Gedenken einen Kranz ab. Wenig später taten das auch Kanzlerin Bierlein, die gesamte Bundesregierung und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. Die Militärmusik spielte die Bundeshymne. Anschließend trugen sich die Regierungsmitglieder ins Ehrenbuch ein.

Einigkeit, dass das Heer in finanziellen Nöten ist

Feierliche Stimmung herrschte im Anschluss auch bei der Angelobung von mehr als 1.000 Rekruten auf dem Heldenplatz. Einig waren sich die Festredner bezüglich der schlechten finanziellen Lage des Bundesheeres. Auch Bürgermeister Ludwig plädierte dafür, dass die Rekruten "mit den Ressourcen ausgestattet werden, die sie brauchen". Verteidigungsminister Thomas Starlinger hob in seiner Ansprache die "besondere Bedeutung" des Nationalfeiertags hervor. Dass das Heer in finanziellen Nöten ist, bringe auch Risiken mit sich, betonte der Minister zum wiederholten Mal. "Was ich fordere ist keine Luxusarmee", sagte er und verlangte nach einer schrittweisen Anhebung des Heeresbudgets. Dieser Ansicht ist auch der stellvertretende Generalstabschef Johann Luif im Interview mit der "Wiener Zeitung", er sagt aber auch, dass die Leistungsschau zulasten der Ausrüstung geht.

Kanzlerin Bierlein sah den Nationalfeiertag in ihrer Rede auch als Gelegenheit zur Besinnung. "Das Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs markiert einen Wendepunkt in der Geschichte unseres Landes", so die Kanzlerin. "Es setzte einen Schlusspunkt unter eine schreckliche Epoche von Krieg, Vernichtung und Besatzung." Präsident Van der Bellen leitete seine Ansprache mit einem kleinen Rückblick ein. "Wir haben ein ereignisreiches politisches Jahr hinter uns", sagte er vor den Rekruten und vielen Zuschauern auf dem Heldenplatz. Nach dem "verstörenden Ibiza-Skandal" wurde erstmals "eine Regierung angelobt, die nicht aus einer Mehrheit des Nationalrates hervorging", fuhr der Bundespräsident fort. Sowohl die Bundesverfassung als auch die staatlichen Institutionen hätten "diese Prüfung bestanden", sagte er.

Ostarrichi-Urkunde im Haus der Geschichte

Aus diesem Anlass wurde im Haus der Geschichte heuer auch die Ostarrichi-Urkunde ausgestellt, in der Österreich 996 zum ersten Mal erwähnt worden ist.

Bereits in der Früh kamen mit Kanzlerin Brigitte Bierlein und der Bundesregierung die ersten prominenten Gäste, um einen Blick auf die Urkunde zu werfen. Die Urkunde ist für eine Woche lang in Wien ausgestellt, auch am Nachmittag standen noch immer viele Menschen Schlange, um sie - am Nationalfeiertag bei freiem Eintritt - zu sehen.

Van der Bellen, Bierlein und Parlament öffneten die Türen

Im Anschluss an die Angelobung empfingen Van der Bellen und Bierlein interessierte Gäste aus der Bevölkerung in ihren Arbeitsräumen.

Auch im Parlament und in vielen Ministerien und Museen waren die Pforten für Besucher geöffnet. Der Andrang war groß, die Leute standen für Autogramme und Selfies Schlange.

Die Leistungsschau des Bundesheeres sorgte am Heldenplatz trotz einer abgespeckten Variante für regen Besucherandrang. Laut Bundesheer besuchten rund 700.000 Wienerinnen und Wiener die Schau. In Innsbruck, wo es eine Außenstelle gab, kamen einer Aussendung zufolge 45.000 Menschen.

Abschluss der Feierlichkeiten mit Fest und Präsidenten-Rede

Den Abschluss der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag bildete das "Österreich-Fest" im Inneren Burghof, zu dem Präsident Van der Bellen auch Schlagzeuger Martin Grubinger eingeladen hatte. Dieser unterhielt das Publikum gemeinsam mit der Jazzcombo der Militärmusik und bot damit einen schwungvollen Ausklang eines von herrlichem Wetter umrahmten Nationalfeiertags.

Um 19:45 Uhr wird die TV-Ansprache Van der Bellens vom ORF übertragen. Er wird das Gemeinsame, das nicht vergessen werden sollte, in den Vordergrund stellen.