Wien. Zwischen zehn und 15 Prozent der Studierenden in Österreich sind Menschen mit entweder Behinderung oder chronischer Erkrankung. "Weitaus weniger von ihnen haben fixe Stellen im akademischen Betrieb", sagt Wolfgang Meixner, Vizerektor für Personal der Universität Innsbruck am Montag vor Journalisten. Die Unis wollen dem Missverhältnis mit eigenen Promotionsstellen entgegenwirken. Über das von der Universitätenkonferenz (Uniko) initiierte Pilotprojekt "Promotionsstellen ohne Limit" werden zunächst sieben Personen gefördert.

Konkret unterstützt das Sozialministerium in den kommenden fünf Jahren befristete Arbeitsverhältnisse von Dissertierenden im Ausmaß von 20 bis 30 Wochenstunden. Die Universitäten kommen für die Optimierung des Arbeitsumfelds auf - etwa Anpassung des Arbeitsplatzes bei eingeschränkter Mobilität, Digitalisierung von Inhalten bei Sehbehinderung oder Gebärdensprache-Dolmetsch bei Gehörlosigkeit. Das längerfristige Ziel ist ein dauerhaftes Förderprogramm in Form eines Calls alle ein bis zwei Jahre. "Es sollen Voraussetzungen für eine wissenschaftliche oder künstlerische Karriere oder der Einstieg in die außeruniversitäre Forschung ermöglicht werden", so die Uniko.

"Als schwerhörige Linguistin habe ich dadurch die Möglichkeit, zu lehren, in der Gebärdensprachforschung tätig zu werden und mich im akademischen Betrieb auszutauschen", sagt Clara Kutsch von der Uni Wien, die hier einen Master of Arts erworben hat und nun den Sprachgebrauch zum Thema Gehörlosigkeit von der Eugenik der Nationalsozialisten bis heute analysiert.