Im aktuellen Parlamentsklub der FPÖ sitzen so viele Burschenschafter wie noch nie. Zwölf der insgesamt 30 Abgeordneten (40 Prozent) sind völkisch Korporierte, zehn davon sind Mitglieder in Burschenschaften - ein Rekord. Das zeigen aktuelle Zahlen des Politikwissenschafters Bernhard Weidinger von der Forschungsgruppe Ideologie und Politiken der Ungleichheit (Fipu).

Verbindungen, egal ob von Schülern oder Studenten, sind ein Überbegriff für alle möglichen Korporationen, Burschenschaften, einige wenige Damenverbindungen oder auch Katholische Verbindungen oder Landsmannschaften. Korporierte können entweder Corpsiers oder Burschenschafter sein. Im Unterschied zu Corps sind Burschenschaften ausdrücklich politisch. Laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) sind Burschenschaften häufig im deutschvölkischen Milieu angesiedelt. Corps weisen demnach eine größere politische Bandbreite auf. Außerdem sind ihre Aufnahmekriterien deutlich weniger streng.

2017 befanden sich den Fipu-Zahlen zufolge 20 völkisch Korporierte unter den insgesamt 51 FPÖ-Mandataren. Davon waren 16 Abgeordnete auch Burschenschafter. Im Vergleich: 1999 waren von 52 freiheitlichen Mandataren gerade einmal drei bei einer Burschenschaft, insgesamt neun völkisch Korporierte gab es insgesamt. Der Aufstieg der Burschenschafter in der FPÖ startete vor allem unter dem damaligen Parteichef Heinz-Christian Strache, der selbst Mitglied der schlagenden Verbindung Pennale Burschenschaft Vandalia Wien ist. Der Trend wird jetzt offenbar fortgesetzt - auch der aktuelle FPÖ-Chef Norbert Hofer ist Ehrenmitglied der Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld.

FPÖ-Abgeordneter Wolfgang Zanger, aktuell wegen Aufregung um ein Liederbuch mit antisemitischem Inhalt im Gespräch, ist laut Weidinger nicht nur Mitglied in der Schülerverbindung Austria Knittelfeld, sondern auch beim akademischen Corps Vandalia Graz. Das ist nicht unüblich, so der Rechtsextremismus-Experte. Oft treten die Leute erst einer Schülerverbindung und später einer akademischen Verbindung bei, erklärt er. Mitglied ist man in solchen Verbindungen normalerweise auf Lebenszeit.

Hofer und Zanger sind im aktuellen FPÖ-Parlamentsklub aber nicht die einzigen Korporierten: FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker ist Mitglied der akademischen Burschenschaft Nibelungia Wien. Philipp Schrangl ist Mitglied der akademischen Burschenschaft Oberösterreicher Germanen Wien und der Schülerverbindung Ostmark Linz. Hannes Amesbauer, kürzlich zum FPÖ-Klubobmann-Stellvertreter gewählt, ist Schrangls Kollege bei der Burschenschaft Oberösterreicher Germanen Wien.

Der stellvertretende Wiener Landeschef Harald Stefan ist Teil der akademischen Burschenschaft Gothia Wien. Volker Reifenberger ist wie Zanger in einem akademischen Corps, nämlich der Verbindung Frankonia-Brünn Salzburg. Außerdem ist er Mitglied der Schülerverbindung AGV Rugia Salzburg. Der FPÖ-Abgeordnete Hermann Brückl wird in der Fipu-Auflistung als Mitglied der Burschenschaft Scardonia Schärding und der Schülerverbindung Markomannia Eisenstadt genannt.

Gerhard Kaniak ist Mitglied der akademischen Burschenschaft Albia Wien, ebenso wie Martin Graf bei der Olympia Wien. Die akademische Burschenschaft Teutonia Wien führt den FPÖ-Abgeordneten Reinhard Bösch als Mitglied, ebenso die Schülerverbindung Alemannia Dornbirn. Axel Kassegger ist Teil der akademischen Burschenschaft Germania Graz und der Schülerverbindung Thessalia Prag. (APA)