Aber bei der SJ gibt es offenbar auch unterschiedliche Zugänge. Die einen debattieren politisch-theoretisch, andere organisieren auf lokaler Ebene einen Outdoor-Fitnesspark.

In der SJ wird grundsätzlich immer politisch diskutiert. Aber wir suchen auch im Rahmen von Veranstaltungen das politische Gespräch. In geselliger Runde, bei Spritzer oder Bier, lässt sich oft leichter diskutieren.

Bei dem inhaltlichen Konflikt der SPÖ geht es unter anderem auch um einen unterschiedlichen Blick auf die Dinge. Wie dogmatisch darf man sein, wie pragmatisch muss man sein?

Man muss sich immer die Frage stellen: Kann ich den Menschen helfen, wenn ich in die Regierung gehe, oder ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich - zum Beispiel jetzt mit der ÖVP - nichts umsetzen kann.

Gerade junge, politisch Engagierte sind oft idealistischer und näher dem Dogmatismus. Sie machen eher einen pragmatischen Eindruck.

Man muss sich einfach anschauen, wo und wie man die besten, sachlichen Lösungen im Sinne der Menschen, und zwar der breiten Masse, finden kann. Im Burgenland hat man das etwa mit einem klaren Programm mit der FPÖ gefunden. Das heißt aber nicht, dass es in Zukunft so sein muss. Vielleicht gibt es andere Partner, mit denen man auf Augenhöhe ein Programm sachlich aus- und dann abarbeiten kann.

Können Sie sich mit den konkreten Erfahrungen aus dem Burgenland vorstellen, dass es mit der FPÖ auf Bundesebene auch geht?

In der jetzigen Konstellation sehr schwierig. Es gibt doch sehr viel Chaos. Ich bin aber nicht dafür, dass man demokratisch legitimierte Parteien kategorisch ausschließt, allein aus strategischen Gründen. Es war ein Problem, dass sich die SPÖ seit den 90er-Jahren in Geiselhaft der ÖVP begeben hat.

Dafür hat man aber regieren und gestalten können.

Aber es darf nicht nur um Posten und Ämter gehen. Und ich meine auch, dass man jetzt, mit 21,2 Prozent, nicht unbedingt in die Regierung drängen muss.

Das heißt, das Angebot der ÖVP muss schon sehr gut sein.

Wenn die Zusammenarbeit wirklich gut ist, man das Gefühl hat, auf Augenhöhe zu sein, bin auch für Regierungsverantwortung. Zurzeit sehe ich das nicht. Ich sage nur: 12-Stunden-Tag. Ausgeschlossen ist es aber nicht, da die ÖVP auch ein Problem haben wird, mit den Grünen und der FPÖ zusammenkommen. Ich glaube, dass uns große politische Coups mit der ÖVP oft gefehlt haben. Diese Politik der kleinen Kompromisse hat zwar für Stabilität gesorgt, um die uns viele Länder beneidet haben, aber die Menschen haben das zu wenig gespürt. Im Burgenland haben wir jetzt zum Beispiel einen Mindestlohn von 1700 Euro umgesetzt. Und pflegende Angehörige können angestellt werden. Das spüren die Leute.

Dann setzen Sie aber voraus, dass die Menschen der Politik dankbar sind und entsprechend wählen. Ist das so?