Man muss den Leuten ständig etwas bieten. Ich habe im Wahlkampf oft gehört, was die SPÖ alles gemacht hat, die Schülerfreiheit, sämtliche soziale Errungenschaften. Aber das waren vor allem Pensionisten. Für die Jungen ist das alles selbstverständlich. Sie sind mit diesem Sozialsystem aufgewachsen. Ich gehe zum Arzt und zahle nichts, gehe auf die Uni, es gibt keine Studiengebühren. Und es hilft nicht, wenn ich erzähle, dass das alles die SPÖ war, wenn die jetzige Emotionslage eine andere ist, etwa Leute Angst haben, dass ihnen ein Ausländer den Arbeitsplatz wegnimmt. Auch wenn das gar nicht stimmt. Ich brauche aber eine klare Position zu den brennenden Themen. Wenn sich der politische Spin dreht, werden die Leute auch wieder sehen, was sie an der Sozialdemokratie haben.

Die SPÖ befindet sich in einem Erneuerungsprozess. Es wird auch viel darüber berichtet. Aber wie erklären Sie Wählern, die sich nicht täglich mit Politik beschäftigen, worum es da geht?

Es gibt in der SPÖ die Ortsparteien, die Bezirks- und Landesorganisationen und die Bundesorganisation. Wir müssen bei allen Ebenen ansehen, was "state of the art" ist. Ein Beispiel: Am Land, in den Ortsgruppen, geht man noch Zettel austragen und betreibt Mitgliederpflege. Der Bezirk muss das alles zusammenhalten und darauf achten, dass das funktioniert. Die Landespartei wiederum muss schauen, dass die Bezirksgruppen funktionieren. Genau das, von der untersten bis zur obersten Ebene, muss überprüft werden, wie man es in Zukunft organisiert.

Aber reicht es mit einer modernen Struktur?

Nein, es braucht schon einen gewissen Wow-Effekt. Wir müssen uns ernsthaft inhaltlich, strukturell und personell hinterfragen. Es muss spürbar sein, dass sich jetzt etwas getan hat. Man darf nicht das Gefühl bekommen, dass wir nur Phrasen dreschen und verschiedene Begriffe ausprobieren.

Also auch die "Neue Sozialdemokratie" so wie die "Neue Volkspartei"?

Es muss doch nicht immer ein neues Logo sein oder eine neue Parteifarbe. Das ist nicht so wichtig.

Aber es hat doch gut funktioniert bei der ÖVP, oder?

Ja natürlich, aber ich halte das aber für ein Wagnis. Die Farbe würde ich nicht überbewerten, aber Kurz hat es geschafft, einer alten Partei einen neuen Anstrich zu geben. Im Hintergrund hat sich aber nicht viel verändert. Was ist mit der ÖVP, wenn es Kurz politisch nicht mehr gibt? In der Politik kann es schnell gehen.