Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat im Kampf gegen den Ärztemangel wiederholt deutlich mehr Medizin-Studienplätze vom Bund gefordert. Bei der Landeshauptleute-Konferenz am Freitag will sich die aktuelle Vorsitzende der Runde von den anderen Ländern Unterstützung für ihr Anliegen holen - und dürfte diese vielfach bekommen, zeigt ein APA-Rundruf am Dienstag.

Konkret will Mikl-Leitner eine deutliche Erhöhung auf etwa 3000 Studienplätze, berichtete das Ö1-Mittagsjournal am Dienstag. Derzeit gibt es 1680 Studienplätze an den Medizin-Unis in Wien, Graz und Innsbruck sowie der Medizin-Fakultät der Uni Linz, 1260 davon sind für Österreicher reserviert. Außerdem bieten abseits der staatlichen Hochschulen Privatuniversitäten zusätzliche Medizin-Studienplätze an.

Maßnahmen, um Ärzte zu halten

Neben mehr Studienplätzen fordert Mikl-Leitner Maßnahmen, um Ärzte in Österreich zu halten: Es soll ein Stipendiensystem für Absolventen geben, die sich dazu verpflichten, in Österreich auch in ländlichen Bereichen und "Bedarfsregionen" zu arbeiten. Außerdem soll der Beruf attraktiver werden, indem etwa ein Facharzt für Allgemeinmedizin geschaffen wird.

Der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) unterstützt die Forderung Mikl-Leitners: "Wir haben zu wenig Absolventen."

Auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) trägt das Anliegen "vollinhaltlich mit". Es gehe darum, die "bestmögliche wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung nachhaltig sicherzustellen". Die deutliche Erhöhung der Anzahl der Medizin-Studienplätze sei dabei ein wichtiger Aspekt. Zudem müssten Studierende motiviert werden, nach der Ausbildung in Österreich tätig zu sein.

Stipendiensystem oder Facharzt für Allgemeinmedizin

Der steirische Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) sieht es als "ersten wichtigen Ansatzpunkt, die Medizinstudienplätze in angemessener Weise zu erhöhen". Zusätzlich müsse man die Absolventen in Österreich halten, vor allem dort, wo der Mangel am deutlichsten spürbar ist. Ein Stipendiensystem mit entsprechender Verpflichtung wäre dafür laut Drexler ebenso geeignet wie die Verbesserung der Attraktivität des Arztberufs etwa durch die Schaffung eines Facharztes für Allgemeinmedizin.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter und Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (beide ÖVP) wollten das Thema zunächst am Freitag bei der Landeshauptleute-Konferenz beraten und sich erst danach äußern. Der Ärztemangel sei aber auch in Tirol ein wichtiges Thema, fügte Platter hinzu. Für Salzburg sehr wohl klar positioniert hat sich Haslauers Stellvertreter Gesundheitsreferent LHStv. Christian Stöckl (ebenfalls ÖVP), der sich für eine starke Anhebung der Studienplätze für eine Übergangszeit aussprach, um die anstehende Pensionierungswelle abzufedern.

Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) meinte, das Thema Medizinstudienplätze sei derzeit nicht auf der Tagesordnung. Es gebe auch keine einstimmige Entscheidung der Sozial- und Gesundheitsreferenten dazu. "Aber dass es mehr Studienplätze braucht, ist klar."

Wien hält sich zurück

Zurückhaltender gibt man sich in der Bundeshauptstadt. Natürlich wolle auch Wien, dass es genügend Ärzte in Österreich gibt, hieß es aus dem Büro von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Daher solle nun einmal evaluiert werden, warum die Medizin-Absolventen ins Ausland abwandern und wie man sie in Österreich halten bzw. wie man österreichische Medizinstudenten im Ausland zur Rückkehr bewegen könnte. "Wenn es Antworten und Lösungen auf diese Fragen gibt, ist eine Erhöhung der Studienplätze dann auch für Wien durchaus denkbar."

Aus Oberösterreich lag vorerst noch keine Stellungnahme vor.

Ärztekammer, Medizin-Unis und auch Gesundheitsökonomen haben die Forderung nach einer Aufstockung der Medizin-Studienplätze wiederholt zurückgewiesen. Man würde dadurch lediglich noch mehr Medizin-Absolventen produzieren, die danach zum Teil im Ausland arbeiten. Um den Ärztemangel zu bekämpfen, müssten vielmehr die Arbeitsbedingungen verbessert und genügend Basisausbildungsplätze nach dem Studium geschaffen werden. (apa)