Sie sind nun frischgebackene Nationalratsabgeordnete: Wie war die Angelobung?

Es ist schon sehr beeindruckend, wenn man da vor dem riesigen Bundesadler im Hohen Haus steht und "Ich gelobe" sagt. Die Grünen haben ja Kräuterstöckerl mitgebracht, damit es auch sichtbar mehr grün ist. Und wir hatten eine Chili dabei, um mehr Schärfe in den Nationalrat zu bringen.

Was wollen Sie persönlich im Parlament bewegen?

Ich möchte als Delegierte aus der Steiermark weiterhin für die Menschen aus Graz und Umgebung Ansprechpartnerin bleiben. Wenn eine Politikerin nach Wien geht, haben viele das Gefühl, dass die Fäden zur Basis, zu den Menschen, die uns gewählt haben, reißen. Ich aber möchte ihre Wünsche und Sorgen mitnehmen und mich im Sozialausschuss für soziale Gerechtigkeit einsetzen und im Rechnungshofausschuss auf Missstände aufmerksam machen.

Die Grünen wurden vor allem wegen des Klimaschutzes gewählt. Bleiben soziale Anliegen doch nur grüne Nebenbaustelle?

Jein - seit ich bei den Grünen bin, setze ich mich dafür ein, dass wir uns mehr im sozialen Bereich trauen. Es gibt natürlich den Klimaschutz als Aufhänger der Grünen, aber es gibt darüber hinaus so viele Themen. Ich habe auch selbst zehn Jahre lang im Gemeindebau gewohnt, weiß wie es ist, wenn man am Monatsende darauf achten muss, dass das Geld für die nächste Miete reicht, oder wie das ist, neben dem Studium am Abend putzen zu gehen. Ich war ein Kind von Eltern, die sich vor allem um ihre Arbeit kümmern mussten, um genug Geld zu verdienen. So ein Kind muss sich doppelt und dreifach anstrengen, um trotzdem etwas zu schaffen. Deshalb werde ich mich inhaltlich voll reinhauen, weil das meine Herzensthemen sind.

Wo sehen Sie die Grünen: in der Opposition oder in einer Regierung?

Das ist eine schwierige Frage, da lastet noch großer Druck auf den Grünen. Es sind zwei Parteien mit sehr unterschiedlichen Ansichten. Trotzdem wünschen sich viele die Grünen in der Regierung, ob aus Angst vor Schwarz-Blau oder weil sie sich wirklich einen anderen Weg für Österreich wünschen, einen anderen Stil, einen anderen Umgang mit Menschen. Da sehen wir ernsthaft eine Verantwortung, deshalb nehmen wir die Sondierungsgespräche sehr ernst.

Könnten die Grünen in einer Regierung nicht mehr verändern?

Uns als Grünen geht es nicht nur darum, in einer Regierung zu sein und zwei Dinge zu verbessern, aber zugleich zehn zu verschlechtern. Es ist schon klar, dass Kompromisse gemacht werden müssen. Aber gerade als Migrantin fällt es mir schwer, die bisherige ÖVP-Migrationspolitik fortzusetzen. Wenn es diese Politik schon 1992 gegeben hätte, würde ich heute nicht mit Ihnen reden, würde es einen Teil des grünen Klubs nicht geben.