Mit 24 Jahren ist Yannick Shetty der jüngste Abgeordnete im Nationalrat. Es ist der nächste Karrieresprung des Neos-Politikers, der in der Partei rasch aufgestiegen ist. 2013 landete der damals 18-jährige Shetty bei den Pinken und koordinierte deren Nationalratswahlkampf in Tirol. Nach seiner Matura zog Shetty, Sohn eines Inders und einer Österreicherin mit koreanischen Wurzeln, nach Wien. Er begann sein Jus-Studium und arbeitete als Bezirkspolitiker in der Josefstadt für die Neos. Zugleich machte er in der pinken Studentenorganisation Junos Karriere: Bei der ÖH-Wahl 2017 kandidierte er als Spitzenkandidat. Nun gelang ihm bei der heurigen Nationalratswahl der Einzug ins Parlament.

Die Justiz müsse dringend ausfinanziert werden, fordert Yannick Shetty. - © David Alscher
Die Justiz müsse dringend ausfinanziert werden, fordert Yannick Shetty. - © David Alscher

Das Gespräch mit Yannick Shetty ist das letzte in der Interviewreihe mit neuen Nationalratsabgeordneten. Bisher erschienen: Maximilian Köllner (SPÖ, 2. November), Bedrana Ribo (Grüne, 6. November), Andreas Minnich (ÖVP, 7. November), Rosa Ecker (FPÖ, 8. November).

"Wiener Zeitung":Herr Shetty, wenn Medien über Sie berichten, steht stets auch Ihr Alter im Fokus. Nervt Sie das schon?

Yannick Shetty: Es nervt mich nicht, ich definiere mich nicht über mein Alter. Medien interessieren sich nun einmal gerne für Superlative. Für mich ist das ja auch positiv: Ich bekomme wohl mehr Berichterstattung und kann meine Anliegen an die Öffentlichkeit bringen.

Bereuen Sie es, dass Sie vor Ihrem Einzug ins Parlament nicht mehr berufliche Erfahrungen außerhalb der Politik sammeln konnten?

Ich bereue das nicht. Es ist wichtig, dass im Parlament auch junge Abgeordnete sitzen: Sie vertreten eine Generation, die seit Jahrzehnten nicht ausreichend repräsentiert wird. Sicher wäre es optimaler gewesen, wenn ich vorher mein Studium fertiggebracht hätte. Das war auch mein Plan. Aber durch das Ibiza-Video ist alles sehr schnell gegangen.

Werden Sie das Jus-Studium noch abschließen?

Das Studium mache ich auf jeden Fall fertig. Ich will nicht, so wie manche Politiker, lebenslang von der Politik abhängig sein. Mir fehlen noch vier Prüfungen, eine davon ist Verfassungsrecht: Wenn ich die nicht schaffe, habe ich ein fundamentales Problem. (lacht)

Was würden Sie im Justizbereich denn gerne verändern?

Wir müssen die Justiz dringend ausfinanzieren. Im Februar habe ich bei der Staatsanwaltschaft Wien ein Praktikum gemacht. Die Zustände und die Infrastruktur dort sind katastrophal: Sie haben zu wenig Personal, um das Mindestmaß ihrer Aufgaben zu erfüllen. Es kann nicht sein, dass wir immer mehr Polizisten und immer weniger Staatsanwälte haben.