Schichtwechsel an den Toren des Werks von Magna in Graz: Der Strom an Menschen, die aus dem weitläufigen Gelände eilen, scheint nicht enden zu wollen. Es regnet, wie so häufig in den vergangenen Wochen - doch abgesehen davon deutet nichts darauf hin, dass dunkle Wolken am Horizont aufziehen könnten.

Inklusive der Leiharbeiter waren hier zuletzt 9000 Personen beschäftigt, und sie hatten einiges zu tun: Von Jänner bis September rollten 124.500 Fahrzeuge von den Fließbändern, um 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nun steht jedoch bei dem austro-kanadischen Konzern ein massiver Jobabbau im Raum: 1800 Mitarbeiter sollen gestrichen werden, was alle Leiharbeiter betreffen würde. Magna-Europa-Chef Günther Apfalter will die Pläne derzeit nicht näher kommentieren: "Seit der Krise 2009 sind wir stetig gewachsen, im Prinzip um eineinhalb bis zwei Prozent. Wenn es sich jetzt abflacht oder stagniert, ist das für mich keine Krise, sondern die natürliche Evolution der Wirtschaft."

Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt haben an Dynamik verloren

Grund für die Zurückhaltung bei der Kommunikation ist die steirische Landtagswahl am 24. November. Bis dahin soll der Ball möglichst flach gehalten werden, um keine politischen Wellen zu schlagen. Denn auch so mehren sich die warnenden Rufe für die Steiermark, zuletzt von den beiden führenden Wirtschaftsforschungsinstituten des Landes. Lag das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr noch bei 2,4 Prozent, gelten für dieses Jahr (1,5 bis 1,7 Prozent) und 2020 (1,3 bis 1,4 Prozent) bereits deutlich vorsichtigere Prognosen. Auch das AMS wies darauf hin, dass der heimische Arbeitsmarkt seit dem Sommer an Dynamik verloren habe - und das Angebot an offenen Stellen schmelze. In den vergangenen Wochen haben sich die schlechten Nachrichten zudem gehäuft: So kündigte beispielsweise der Kompressorenhersteller Secop an, die Produktion aus dem oststeirischen Fürstenfeld abzuziehen und 250 Jobs zu streichen. Probleme in der Stahlindustrie führten auch zu Problemen beim Feuerfestkonzern RHI Magnesita in Trieben, wo 40 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet wurden.

Aus der Wirtschaft kommen warnende Rufe an die wahlwerbenden Parteien. - © Wolfgang Liu Kuhn
Aus der Wirtschaft kommen warnende Rufe an die wahlwerbenden Parteien. - © Wolfgang Liu Kuhn

Globale Turbulenzen treffen die Grüne Mark besonders

Mit den jüngsten wirtschaftlichen Turbulenzen hat die Vorverlegung der Landtagswahlen freilich nichts zu tun - diese wurde von der FPÖ im Zuge der Debatte um das Leitspital gefordert. Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) meinte, das Momentum auf seiner Seite zu haben, und stimmte dem Antrag zu. Er begründete den Schritt unter anderem damit, das Land in wirtschaftlich unsicheren Zeiten regierbar halten zu wollen.