Benjamin Hadrigan sieht sich selbst als Idealist. "Lernsieg" heißt die App, die der 17-Jährige entwickelt hat. Mit ihr können Schüler ab sofort nicht nur die Qualität ihrer Schulen bewerten - sondern auch gleich die Lehrer. Und das anonym. Am Freitag wurde die App, die Hadrigan mit der Hilfe eines Investorenkonsortiums und dem Wiener Unternehmen "all about apps" entwickelt hat, im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt und gleichzeitig zum Download bereitgestellt.

Die App, ist der Schüler, der im März 2019 das gleichnamige Buch "#Lernsieg" veröffentlicht hatte, sicher, werde "das Leben von vielen Lehrern positiv beeinflussen". Auch die Qualität des Unterrichts soll mit der App verbessert werden, sagt Hadrigan. Die Arbeit von tollen Lehrern soll transparent gemacht und Schwächen von Lehrern sollen dargestellt werden, damit diese ihren Unterricht verbessern können. Und schließlich sollen Schüler über die App das bekommen, was sie aus Hadrigans Sicht schon längst haben sollten: ein Mitgestaltungsrecht am Unterricht. Doch die Kritik an Harigans Projekt ist groß.

Das "Ranking" der "besten Lehrer" einer Schule in der App. - © Lukas Beck
Das "Ranking" der "besten Lehrer" einer Schule in der App. - © Lukas Beck

Rund 90.000 Lehrer und ihre Schulen in ganz Österreich - ab der AHS-Unterstufe und in Neuen Mittelschulen - wurden bereits in die Datenbank der App eingetragen. Dort scheinen diese namentlich auf, und können etwa in den Bereichen Unterricht, Fairness, Respekt oder Motivation und Geduld bewertet werden. Die Methodik habe man sich bei Uber und bei Air BnB abgeschaut, sagt der Entwickler. Juristen in seinem Team halten die App für zulässig.

Wer zu spät kommt, den bestraft die App?

Benjamin Hadrigan mit seiner App "Lernsieg". - © Lukas Beck
Benjamin Hadrigan mit seiner App "Lernsieg". - © Lukas Beck

"Fühlst du dich von Prof. Mag. XY gerecht behandelt und fair benotet?", wird etwa gefragt. Die Schüler verteilen "Sterne", von nur einem ("Nicht Genügend") bis fünf ("Sehr Gut"). Ein Gesamtranking weist dann die "besten" Lehrer aus, oder auch die am besten bewerteten Schulen. Für diese gibt es Kategorien wie Lehrangebot, Stimmung, Sauberkeit oder Neue Medien. Eltern sollen so die beste Schule für ihren Nachwuchs finden können, Harigan spricht von einer "Konkurrenzsituation" zwischen den Schulen.

Gegen Kritik und Bedenken verwehrt sich der junge App-Entwickler und Buchautor. Die App sei "kein Pranger", die Lehrer hätten "keinen Grund zum Fürchten, wir fragen nicht die Beliebtheit ab". Die Bewertungen seien nur eine "Momentaufnahme", auch könne die Anwendung nicht missbraucht werden, das stelle die Registrierung des einzelnen Schülers über dessen Mobilnummer sicher. Eine Bewertung könne so überschrieben werden: Komme ein Lehrer etwa zu spät und würde schlechter bewertet, würde er künftig pünktlich sein, und dann auch besser bewertet werden. "Das motiviert unheimlich", sagt Harigan.