Vier Tage nach ihrem Start ist die Lehrerbewertungs-App "Lernsieg" seit Montagnachmittag offline, schreiben mehrere Medien in ihren Dienstagausgaben. Wegen Hassnachrichten an App-Erfinder Benjamin Hadrigan habe man die Notbremse gezogen, um den 18-Jährigen zu schützen, so eine Sprecherin zur APA. Das App-Team arbeite nun an einer Strategie, um die Mails künftig "anders zu kanalisieren".

Grundsätzlich soll die App bald wieder verfügbar sein, in den nächsten Tagen werde man "sicher eine Lösung finden", betonte die Sprecherin. Bei "Lernsieg" kann man Lehrer bzw. Schulen in verschiedenen Kategorien mit einem ("Nicht Genügend") bis fünf Sternen ("Sehr gut") bewerten, mehrere 10.000 Nutzer haben sie seit Freitagvormittag heruntergeladen. Die Lehrergewerkschaft hatte bereits im Vorfeld gegen die App mobil gemacht und das u.a. mit einer möglichen Verletzung von Persönlichkeitsrechten und Datenschutz begründet. Derzeit werden rechtliche Schritte geprüft.

Lehrerbewertungs-App "Lernsieg".

Ministerin und  Gewerkschaft beauftragen Gutachten

Bildungsministerin Iris Rauskala sowie die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) haben den Datenschutzrechtsexperten Nikolaus Forgo von der Universität Wien mit einem Gutachten zur umstrittenen Lehrerbewertungs-App "Lernsieg" beauftragt. Er soll unter anderem klären, ob bei der Datenverarbeitung die Rechte aller Betroffenen gewahrt bleiben.

Neben einer ausreichenden Datenschutzfolgeabschätzung soll auch geprüft werden, ob die Weitergabe der Schülerdaten (Telefonnummer samt von ihnen besuchte Schule) an Dritte wie die App-Investorengruppe verhindert wird und ob die Löschung ungerechtfertigt schlechter Beurteilungen sichergestellt ist. Rauskala betonte, das Ministerium komme damit seiner Fürsorgepflicht für die Pädagogen nach. Sie wolle "kein willkürliches Sternchenvergeben, sondern echte Feedbackkultur". (apa)