Wäre gleich nach der Schneekrise im Januar 2019 gewählt worden, ja, dann wäre es für die SPÖ leichter gewesen, hadert der Katastrophenschutzreferent mit dem Schicksal. Die vorgezogene Neuwahl sei ein "massiver Vertrauensbruch" gewesen, der Koalitionspartner schuld am vorzeitigen Ende der Regierungszeit: "Was man anfängt, wird fertiggemacht. Was man ausmacht, muss halten." Inhaltlich betonte Schickhofer im Verlauf des Wahlkampfs die Forcierung von Klimaschutz, ein neues Pflegekonzept und einen Ausbau der Schiene. Das Leitspital, an dem die Koalition letzten Endes zerbrochen ist, möchte er nach Rottenmann verlegen - "wenn ich Erster werde."

Ungewöhnliche Konzilianz

Das Ziel, Erster zu werden, dürfte FP-Spitzenkandidat Mario Kunasek eher auf die nächste Wahl vertagen - derzeit ist das Momentum nicht auf seiner Seite. Zuerst beendete Ibiza seine Karriere als Verteidigungsminister, es folgte der bundespolitische Rosenkrieg mit HC Strache, auf Landesebene kamen die üblichen Einzelfälle wie die Liederbuchaffäre hinzu. Dass die Causa Casino einen Einfluss auf das Landtagsergebnis haben könnte, bezweifelte Kunasek in der letzten ORF-Elefantenrunde: In seiner Ministerverantwortung seien nur qualifizierte Personen bestellt worden. Meinungsumfragen sagen seiner Partei dennoch einen Absturz von zuletzt 26,76 auf 18 bis 20 Prozent voraus.


Dennoch gab sich Kunasek im laufenden Wahlkampf betont konziliant und sachlich - dass er Amtsinhaber Schützenhöfer bei Veranstaltungen als "verkrusteten Bünde-Menschen" bezeichnete, blieb eher die Ausnahme. Stattdessen konzentrierte er sich bei seinen Plakaten auf blaue Kernthemen wie Sicherheit und Asylmissbrauch und legte für Graz sogar eine eigene Serie auf. Die Landeshauptstadt ist mit ihrem Speckgürtel für das Wahlergebnis von entscheidender Bedeutung, in dem Ballungsraum ist jede dritte Stimme zu holen. In Graz tut sich die FPÖ traditionell schwer, weshalb sie die enttäuschenden Sprengelergebnisse der letzten Nationalratswahl genau analysierte und 10.000 Hausbesuche durchführte.

Unter Erfolgsdruck

Leichter tut sich hier die Spitzenkandidaten der Grünen - sie spürt den Rückenwind der letzten Nationalratswahl und das buchstäblich günstige Klima für grüne Themen. Diese verkörpert Sandra Krautwaschl glaubwürdig: Sie lebt plastikfrei, worüber sie auch bloggt, verzichtet auf Flugreisen, kauft regional und trägt gerne Kleidung aus dem "KostNix-Laden". Teilweise schlägt ihr Engagement in Aktionismus um, etwa, wenn ihr Ehemann Peter bei Veranstaltungen in die Pedale tritt, um der Gattin den Strom für das Mikrofon zu liefern.

Dabei steht sie durchaus unter Erfolgsdruck: Viele trauen ihr zu, dass sie ihre 6,68 Prozent aus dem Jahr 2015 verdoppeln wird können, womit sich im Erfolgsfall sogar eine ÖVP-Grün-Koalition auf Landesebene ausgehen könnte. Dementsprechend vorsichtig vermied die gebürtige Oststeirerin Reizworte wie Nahverkehrs- und Stellplatzabgabe oder Fahrverbote. Stattdessen setzte sie auf Nachhaltigkeit und Umwelt: "Wir glauben, dass die soziale und wirtschaftliche Verantwortung mit dem Thema Klimaschutz sehr gut vorwärtszubringen sind. Wir brauchen die Innovationskraft der Wirtschaft, um den Klimaschutz wirklich auf den Boden zu bringen."