Ein kräftiges Rot im Norden, ein sattes Schwarz im Osten, ein strahlendes Blau im Südwesten, darin noch ein rotes Tüpfelchen: Als beinahe farbenfrohes Gemälde zeigte sich die Steiermark nach der vergangenen Landtagswahl 2015. In zwei von vier Wahlkreisen konnte die SPÖ die Mehrheit erringen, aber auch ÖVP und FPÖ holten sich je einen Sprengel. Ob die Farbenfreude nun einem dominanten Schwarz weicht, wie von den Umfragen prophezeit, wird sich weisen. Ein regionaler Überblick.

Der stimmenmäßig größte Wahlkreis ist Graz und Umgebung (313.991 Wahlberechtigte). Er ist bei den Kleinparteien heiß begehrt. In der Steiermark gibt es keine landesweite Prozenthürde, für den Einzug in den Landtag müssen die Parteien ein Grundmandat in einem der Wahlkreise holen. In Graz und Umgebung ist dieses mit rund sechs Prozent noch relativ leicht zu erreichen, in anderen Wahlkreisen braucht es teils über zehn Prozent dafür.

Daher setzen die KPÖ, Grünen und Neos auf diese Region. In dem urbanen Wahlkreis können sie ihre Stimmen leichter als in den ländlicheren Regionen holen. Wobei sich auch in diesem Wahlkreis eine Teilung zeigt. In Graz-Umgebung waren SPÖ, ÖVP und FPÖ annähernd gleich stark, mit 29 Prozent lagen die Freiheitlichen haarscharf vor den Sozialdemokraten. Graz mit seinen rund 290.000 Einwohnern, darunter viele Studierende, tickt anders. Hier gewann die SPÖ, auch KPÖ und Grüne schnitten gut ab.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Rotes Territorium ist auch der zweitgrößte Wahlkreis, die Obersteiermark (267.782 Wahlberechtigte). Bis auf den schwarzen Bezirk Murau war die stark industriell geprägte Region - Stichwort Mur-Mürz-Furche - fest in Hand der SPÖ. 2015 erzielte sie noch knapp 37 Prozent. Ob die SPÖ diese bedeutende Stammwählerschaft halten kann, entscheidet mit über ihren Erfolg.

Zudem wird sich zeigen, ob sich die emotional geführte Diskussion um das Leitspital Liezen im Ergebnis auswirkt. Das neue Leitspital soll die Gesundheitsversorgung im Bezirk konzentrieren, so der Plan der gerade noch schwarz-roten Landesregierung. Die drei bestehenden Krankenhäuser im Bezirk sollen hingegen zu Gesundheitszentren hinabgestuft werden. In einer von FPÖ und KPÖ initiierten Volksbefragung sprach sich eine deutliche Mehrheit dagegen aus.

Die Verhältnisse in der bäuerlich geprägten Oststeiermark (216.090 Wahlberechtigte) waren über lange Zeit recht klar: Die ÖVP war die konstante Dominante von Weiz über Hartberg bis zur Südoststeiermark. Bei der Landtagswahl 2010 erreichten sie in dem Wahlkreis sogar noch die Absolute. Im Zuge der Flüchtlingsbewegungen 2015 kam es aber auch in der Oststeiermark zu politischen Umwälzungen.

Die Freiheitlichen legten exorbitant zu und verdreifachten sich fast von zehn auf rund 28 Prozent. Die ÖVP wiederum rutschte auf rund 38 Prozent hinab. Auch die Sozialdemokraten büßten rund zehn Prozentpunkte ein und blieben bei 22 Prozent stehen. Bei der vergangenen Nationalratswahl kehrte sich die Geschichte wieder ins Gegenteil um. Die ÖVP verzeichnete kräftige Zugewinne, während die Freiheitlichen zahlreiche Stimmen einbüßten.

Wie sehr die Turbulenzen der Bundes-FPÖ der Landespartei schaden werden, wird sich besonders deutlich in der Weststeiermark (157.933 Wahlberechtigte) zeigen. Sie ist als Tourismus- und Weinregion bekannt und war von den Flüchtlingsbewegungen 2015 besonders stark betroffen.

Bei der Landtagswahl 2015 wurde der Wahlkreis in Blau getaucht, die FPÖ erreichte knapp 32 Prozent, ÖVP und SPÖ wurden auf Platz zwei und drei verdrängt. 2010 hatten die Freiheitlichen noch nur rund zehn Prozent erreicht. Bei der vergangenen Nationalratswahl profitierte die ÖVP mit satten Zugewinnen, die FPÖ verlor stark.(dab/jm)