"Ich bin kein Wunderwuzzi." Die Einschätzung stammt von Anton Lang über sich. Aber der 60-jährige SPÖ-Politiker und bisherige Finanzlandesrat, der österreichweit weitgehend unbekannt ist, soll nach der Wahlschlappe für die SPÖ bei der steirischen Landtagswahl am 24. November für die Sozialdemokraten der Retter einer weiteren Regierungszusammenarbeit mit der ÖVP mit Landeshauptmann Herman Schützenhöfer werden. Ein Vertreter der langgedienten roten Riege. Am Montag wurde verhandelt, bis Weihnachten will man fertig sein.

Zwar hat die steirische SPÖ nach dem Rücktritt von Vizelandeshauptmann Michael Schickhofer am Tag der Wahl interimistisch Ex-Verkehrsminister Jörg Leichtfried zum SPÖ-Landeschef bestellt. Aber Lang ist SPÖ-Verhandlungsführer mit der ÖVP mit Aussicht darauf, auch steirischer SPÖ-Chef zu werden.

Lang kommt aus dem obersteirischen Leoben, der zweitgrößten Stadt der Steiermark. Er kommt aus dem Bankwesen, war ab 1982 Innenrevisor. "Er ist einer, der von der Pike auf Kommunal- und Regionalpolitik gelernt hat", sagt ein steirischer Parteikollege über den 60-Jährigen. Eine typische SPÖ-Funktionärskarriere: Mit 18 wird er in der einst traditionell tiefroten Industrieregion SPÖ-Mitglied, mit 25 Jahren SPÖ-Ortschef in Leoben-Hinterberg. Fast 30 Jahre lang ist er ab dem Jahr 1986 SPÖ-Gemeinderat in Leoben , wo er 2015/16 auch Finanzstadtrat wird.

Die Karriere in der Landespolitik begann 2008 im Landtag, 2016 folgte er Leichtfried als steirischer Verkehrs- und Umweltlandesrat. Angesichts der Debatten um den Klimaschutz werden jedenfalls seine Bemühungen um den S-Bahn-Ausbau und ein günstiges Studententicket gelobt. Bereits im Sommer 2017 hat ihm Schickhofer überraschend den Posten des Finanzlandesrats abgetreten.

"Lang und Schützenhöfer sind Großkoalitionäre"

Lang ist Pragmatiker, der trotz SPÖ-Wahlniederlage klar für eine Fortsetzung der schwarz-roten Koalition ist. Während Schützenhöfer und Schickhofer übers Kreuz waren, wurde Lang zum Querverbinder zur ÖVP. Manchen in der Partei geht die Nähe zur ÖVP allerdings zu weit: "Der Toni ist ein kompromissbereiter Mensch, der sich in den vergangenen Jahren ziemlich gut mit der ÖVP verstanden hat", heißt es in steirischen SPÖ-Kreisen. Deswegen gab es auch vereinzelt Bedenken, er könnte es zu billig geben. "Lang und Schützenhöfer sind Großkoalitionäre", sagt ein Parteikollege. Im Herzen stimme die Richtung überein.

Für Lang hat vor allem auch gesprochen, dass er als bisheriger Regierungskoordinator bei den Koalitionsverhandlungen über alles Bescheid weiß. Von den Finanzen über den Reformen bis zu dem, was möglich sei.

Ob er auch SPÖ-Landeschef wird, sei "nicht ausgemacht", wird in der Partei erklärt. Lang hat aber angekündigt, dass er zur Verfügung steht. Klappt es mit einer ÖVP-SPÖ-Regierung, gilt er als Favorit.