Im Radio-"Mittagsjournal" meinte Van der Bellen gestern, er könne sich unter bestimmten Voraussetzungen auch eine aktive Sterbehilfe vorstellen. Der Arzt könnte dann eine tödliche Spritze verabreichen, wenn die Situation des Patienten aussichtslos sei, er unter unerträglichen Schmerzen leide und ein Konzilium von Ärzten dem zustimme. Van der Bellen schränkte aber ein, dass der Übergang zwischen passiver und aktiver Sterbehilfe "ziemlich fließend" sei und man hier "noch vorsichtiger" agieren müsse. Allerdings sei das seine persönliche Meinung und nicht die der Grünen. Er sprach sich dafür aus, sich das niederländische Modell etwa ein halbes Jahr lang anzuschauen.

Ablehnung von ÖVP, FPÖ und auch SPÖ

Auf heftige Kritik stieß Van der Bellen damit bei ÖVP und FPÖ. ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger sprach von einem "gefährlichen Euthanasie-Gefasel" und stellte klar: "Mit uns nicht." FPÖ-Gesundheitssprecher Alois Pumberger sagte, Van der Bellen habe sich "die Maske vom Gesicht gerissen und sich als Wolf im Schafspelz geoutet".

Auch für die SPÖ ist aktive Sterbehilfe undenkbar. "Das kommt für uns nicht in Frage. Van der Bellen hat keine Ahnung von der Materie", lehnte SPÖ-Gesundheitssprecher Manfred Lackner den Vorstoß des Grünen Bundessprechers ab. "Wir sind für Sterbebegleitung, für den Ausbau der Palliativmedizin bzw. der Hospizeinrichtungen".