Der Aufdecker. Jahrzehntelang hatte man diesen Titel in der österreichischen Innenpolitik mit Peter Pilz verbunden. Stolz hatte ihn Pilz vor sich hergetragen, mitunter auch mit dem hübschen Zusatz "der Nation" geschmückt.

Doch die Zeitwende scheint gekommen: Zuletzt erschien kaum ein Artikel, kaum eine Presseaussendung ihrer Partei, in der Neos-Politikerin Stephanie Krisper nicht als die Aufdeckerin tituliert wurde. Die Nationalratsabgeordnete fiel 2018 bereits durch ihre Arbeit beim BVT-Untersuchungsausschuss auf. Nun geriet sie erneut in die Schlagzeilen - vor allem durch die Affäre um ihr Handy, welches das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung beschlagnahmen lassen wollte. Öffentlichkeitswirksam pochte sie zudem auf einen U-Ausschuss in der Causa Casinos.

In einem Café in der Wiener Innenstadt sitzend, wischt Krisper all die Aufmerksamkeit beiseite. Die bekomme sie ja gar nicht so richtig mit, sagt sie, und überhaupt finde ihr enges Umfeld den Trubel um sie sehr amüsant: "Weil eigentlich liegt mir das gar nicht so und mir ist es auch gar nicht so wichtig", meint Krisper. Dass sie nun so in der Öffentlichkeit steht, liege auch weniger an ihrer Person, sondern an den Themen, für die sie bei den Neos zuständig sei, sagt Krisper. Sie sei da einfach sehr bemüht, viel aufzuklären.

"Dranbleiben ist wichtig"

Die großen politischen Ansagen und das selbstbewusste Poltern sind Krispers Sache nicht. Vielmehr sieht sich die Abgeordnete als genaue, sachliche Arbeiterin, die vor allem eines antreibt: Hartnäckigkeit.

Wird eine parlamentarische Anfrage aus ihrer Sicht unzureichend beantwortet, so stellt Krisper eine Folgeanfrage. Und wird diese Folgeanfrage nicht ausreichend beantwortet, dann folgt eben eine Folgefolgeanfrage. "Oft lässt sich zwar nur die erste Anfrage medial verwerten. Aber das Dranbleiben ist ein wichtiger Punkt. Dadurch lässt sich was erreichen", sagt Krisper. Das könne für die eigenen Mitarbeiter herausfordernd sein, aber letztlich müssten auch sie diese Hartnäckigkeit mittragen, sagt sie.

Als Erfolg verbucht Krisper etwa die Rückversetzung des Ex-Direktors des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Gert-Rene Polli, nach Wien. Polli, der die FPÖ bei den Koalitionsverhandlungen beraten hatte, war von Ex-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) als Asylbeauftragter, eine Art Verbindungsbeamter, nach Spanien entsandt worden. Die Anforderungen für diese Funktion erfüllte er nicht, zudem war der Posten des Verbindungsbeamten in Madrid 2015 abgeschafft worden.