Im September zog Innenminister Wolfgang Peschorn Polli aus Spanien ab. Krisper führt das auch auf ihre parlamentarischen Anfragen zurück. Drei habe sie in der Causa gestellt: "Und nach der dritten war er nicht mehr in Spanien, sondern in Wien."

Krisper wuchs in Hietzing in einer bürgerlichen Familie auf. "Ich habe keinen bunten Hintergrund", sagt sie. Ihre Eltern - ihr Vater war Chirurg, die Mutter Pharmazeutin - schickten sie auf eine private Klosterschule. Nach der Matura studierte sie Jus. Sie habe immer ein gewisser Gerechtigkeitssinn angetrieben, eine Zeit lang habe sie überlegt, Richterin zu werden, sagt Krisper. Im Studium stieß sie aber auf ihr Leibthema: die Menschenrechte. "Es ist mir ein Bedürfnis, dass jeder gleiche Chancen und Startbedingungen hat", sagt sie.

Als Rechtsberaterin arbeitete Krisper für NGOs und internationale Organisationen. Beruflich verschlug es sie oft ins Ausland. Nicht immer zu ihrer Freude, die Arbeit beim UN-Menschenrechtsrat in Genf war ihr zu abgehoben: "Da bin ich von Saal zu Saal gelaufen, um mit Botschaftern über irgendwelche Texte zu verhandeln. Da habe ich mich gefragt: Was bringt das den Menschen?"

Von Einzug überrascht

Krisper zog wieder nach Wien, wo sie unter anderem für die Volksanwaltschaft und das Ludwig-Boltzmann-Institut arbeitete. Sie gründete eine Familie, bekam drei Kinder und engagierte sich ehrenamtlich bei den Neos: "Die hatten immer ein offenes Ohr für Menschenrechtsthemen."

Angesichts ihres Jobs und der Familie habe sie keine Zeit gehabt, mit Parteifreunden "auf tausend Bier zu gehen" und ständig zu netzwerken. Dennoch landete sie bei der Nationalratswahl 2017 auf einem vorderen Platz auf der Wiener Liste. Das habe sie sehr überrascht, so Krisper. Knapp, aber doch, gelang der Einzug.

Das Einleben in den parlamentarischen Betrieb sei dann "entsetzlich" gewesen. Als Neuling habe sie "keine Ahnung gehabt, wie das politische Geschäft und die Medien funktionieren". Zugleich war Krisper für zig Themen - von Außenpolitik über Sicherheit bis zur Integration - zuständig. Da habe sie sich erst einarbeiten müssen, sagt sie.

Im Februar 2018 wurde eine - später für rechtswidrig erklärte - Hausdurchsuchung beim BVT durchgeführt. Ein U-Ausschuss wurde eingesetzt, Krisper vertrat die Neos. Pilz zog dort das Rampenlicht auf sich, Krisper fiel mit ihrer guten Vorbereitung und ihrem professionellen Auftreten auf. Sie könne politisch nicht wie andere Abgeordnete auf den Tisch hauen, sagt Krisper, und das sei wohl eine ihrer Schwächen. Mit Pilz will sie aber auch nicht verglichen werden. Denn Pilz habe seine Arbeit doch eher nach der "medialen Verwertbarkeit" und nicht wie sie nach den Inhalten ausgerichtet, meint Krisper: "Das, glaube ich, ist der Unterschied zwischen uns."