Sein Rezept für die Gesundung der Bundes-SPÖ bekräftigte Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil Sonntag in der ORF-"Pressestunde": Vorerst keine Personaldebatte, sondern neu positionieren - und in Opposition bleiben, nicht in die Regierung gehen und auch keine ÖVP-Minderheitsregierung unterstützen. Doskozil schloss aus, dass er Vizekanzler werden könnte. Er bleibe im Burgenland.

Für innerparteiliche Aufregung sorgen könnte die Anmerkung, die Partei sollte sich von Wirtschaftsvertretern "trennen, die glauben, die Sozialdemokratie zu vertreten und nicht mehr wissen, wie es den Menschen geht" - nämlich Ex-Parteichef Alfred Gusenbauer oder Casinos Austria-Vorstand Dietmar Hoscher, der - wie Doskozil im APA-Interview sagte - "wie ein Großmogul verdient". Damit wollte er zwar nicht den Parteiausschluss gefordert haben, aber die Betreffenden sollten "sich hinterfragen" und die Parteispitze müsste hier eine klare Position haben.

An der Parteispitze (konkret Parteichefin Pamela Rendi-Wagner und auch Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch) will Doskozil - der am 26. Jänner die Landtagswahl zu schlagen hat - derzeit nichts geändert haben. Die SPÖ müsse strukturelle, Positionierungs- und inhaltliche Probleme lösen. Nur beim Personal anzusetzen würde "höchstwahrscheinlich die Negativspirale für die Partei weitertreiben" - und man sollte auch nicht versuchen, die Probleme "mit einer Regierungsbeteiligung zuzudecken". Zu erwarten, dass ein neue Bundesführung kommt und "alles zudeckt, das wird nicht funktionieren".

"Putsch" gegen Rendi-Wagner war "Schauspiel"

Den jüngsten "Putsch" gegen die Parteichefin nannte Doskozil ein "Schauspiel, das abgezogen wurde, und wo sich der eine oder andere Landeshauptmann überschätzt hat" (gemeint der Niederösterreicher Franz Schnabl). Dass er, Doskozil, da den Kopf Rendi-Wagners gerettet habe "würde ich so nicht behaupten". Aber der Burgenländer tadelte: Als Landes-Vorsitzender würde er erst dann Kritik üben, wenn er selbst eine Reform vorzuweisen hat - seien doch auch die Landesorganisationen verantworlich für "gscheite Bundesergebnisse".

Ob Rendi-Wagner - wie sie selbst schon angekündigte - 2021 wieder als Parteichefin kandidieren soll, wollte Doskozil nicht sagen. Erst gelte es, den Neupositionierungs-Prozess einzuleiten und umzusetzen - und dann müsse sie sich "selbst hinterfragen".