In der Causa um die offenbar erwerbbaren, erhaltenen Überreste und Liegenschaften des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen erhöht Polen den Druck auf Österreich. In einem der "Wiener Zeitung" vorliegendem Schreiben der Botschaft der Republik Polen bestätigt das Land seine Bereitschaft, die infrage kommenden Grundstücke und Liegenschaften zu erwerben – und lädt zudem alle anderen Herkunftsländer der in Gusen zu Tode gekommenen und ermordeten Opfer ein, sich der Initiative anzuschließen.

"Unsere Initiative geht auf die tiefe Besorgnis über die mangelnden Fortschritte und die Aufschiebung der Entscheidung der österreichischen Behörden zurück", heißt es in dem Schreiben. Die Frage des Ankaufs der Überreste werde "seit Jahrzehnten ohne sichtbare Ergebnisse diskutiert".

Zudem befürchtet Polen offenbar, dass die Grundstücke des ehemaligen KZs, in dem über 35.000 Menschen den Tod fanden, von anderen Firmen erworben werden, wenn nicht die Republik Österreich eine Kaufentscheidung trifft. "Die jüngsten Berichte über den Verkauf der Überreste des ehemaligen Lagers, einschließlich des blut- und leidgetränkten Appellplatzes, um dort ein breites Spektrum gewinnorientierter Wirtschaftstätigkeiten auszuüben, geben Anlass zu großer Besorgnis und werfen berechtigte Fragen nach dem Stand der Verhandlungen auf", so die polnische Botschaft in Wien.

Man setze auf die Zusammenarbeit mit den österreichischen Behörden, müsse aber dringend handeln, "um weitere Zerstörung zu verhindern" und die Zeugnisse für die Nachwelt zu erhalten.